Fettleber: Woher sie kommt und was man dagegen tun kann

Die Fettleber ist die häufigste chronische Lebererkrankung der Deutschen und wir haben daher nicht nur Antworten zu ihrer Entstehung und Behandlung, sondern auch darauf wie Du diese Krankheit frühzeitig erkennen und sogar verhindern kannst. 

Viele Krankheitsbilder lassen sich durch Prävention und das eigene Verhalten maßgeblich beeinflussen. Dazu zählt auch die sogenannte Fettleber (Steatosis hepatis), bei der es durch einen ungünstigen Lebensstil, Alkoholkonsum, die Einnahme bestimmter Medikamente oder begleitend zu anderen Erkrankungen zur verstärkten Einlagerung von Fett in die Leberzellen kommt. Während die Erkrankung zu Beginn durch eine entsprechende Diät reversibel ist, ist eine Anpassung des Lebensstils in fortgeschrittenen Stadien nicht mehr ausreichend und die Fettleber bzw. ihre Folgestadien letztendlich nicht mehr heilbar. Umso wichtiger ist in diesem Fall der Aspekt der Prävention, auf den wir neben Symptomen und Entstehung im Artikel näher eingehen. 

Begriffserklärung, Einteilung und Stadien

Grundsätzlich unterscheidet man je nach Ursache eine alkoholische und nicht-alkoholische Fettleber. Die alkoholische Fettleber (AFLD) wird durch Alkoholkonsum ausgelöst, wohingegen die nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) eng mit einem ungünstigen Lebensstil und ungesunder Ernährung zusammenhängt. Bei einer Fettleber vermehrt sich das intrazelluläre Fettgewebe der Hepatozyten, unserer Leberzellen, und übersteigt das physiologische Ausmaß von etwa fünf Prozent. Vorwiegend Triglyceride lagern sich dann innerhalb der Leberzellen an. Je nach Schweregrad der Verfettung kann durch eine feingewebliche Untersuchung nach einer Biopsie weiter unterteilt werden: Bei weniger als einem Drittel verfetteter Zellen spricht man von einer milden Fettleber, zwischen einem und zwei Dritteln von einer mäßigen Fettleber und über zwei Dritteln von einer schweren Fettleber.

Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung entwickeln sich allmählich feingewebliche Veränderungen. Es entstehen leichte bis schwere entzündliche Veränderungen, sodass sich daraus eine Fettleber-Hepatitis entwickelt. Auf das zweite Stadium der Hepatitis folgt dann schlussendlich die Fettleberzirrhose, die durch eine knotig veränderte, vernarbte und geschrumpfte Leber mit signifikantem Funktionsverlust gekennzeichnet ist. Sowohl das 2. als auch das 3. Stadium birgt Risiken zur Entwicklung eines Leberzellkarzinoms.

Risikofaktoren

Bis heute ist die Entstehung der Fettleber nicht eindeutig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass sich durch erhöhte Kalorienzufuhr bei zu geringem Kalorienverbrauch überschüssige Fette in den Leberzellen ablagern und nicht verbraucht werden. 

Ein wichtiger Risikofaktor ist regel- und übermäßiger Alkoholkonsum. Kritisch wird es bei Frauen ab etwa 0,5 Liter Bier (über 20 Gramm Alkohol) bzw. bei Männern ab etwa der doppelten Menge bei täglichem Konsum. Alkohol liefert dem Körper sehr viele Kilokalorien und wird in der Leber abgebaut, wobei Fettsäuren entstehen, die unsere Leber als Energiereserve speichert. Außerdem schädigen Alkohol und seine Abbauprodukte die Leber auch direkt. Liegen gleichzeitig weitere Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas vor, wird der negative Effekt von Alkohol auf die Leber sogar verstärkt. Langfristig kann es durch Alkohol zu Leberentzündungen, Fettleber, Leberzirrhose und letztendlich Leberversagen kommen. 

Erhöhter AlkoholkonsumÜbermäßiger Alkoholkonsum ist nur ein möglicher Verursacher der Fettleber. / master1305 

Häufiger kommt jedoch die nicht-alkoholische Fettleber vor, die viele Ursachen haben kann. Betroffene führen durch eine ungünstige Ernährung zu viele Fette zu. Auch eine dadurch bestehende Störung der Darmflora kann die Entstehung einer Fettleber begünstigen. Es kommt zu einer Fettstoffwechselstörung. Neben ungesunder, fettreicher Ernährung trägt auch Bewegungsmangel dazu bei. Deshalb liegen häufig parallel Adipositas oder das Metabolische Syndrom vor. Diabetiker sind zusätzlich gefährt: Durch die bei Typ 2 Diabetes mellitus vorliegende Insulinresistenz des Körpers kommt es zu einer übermäßigen Freisetzung von Fetten ins Blut, welche von den Leberzellen dann aufgenommen werden. Darüber hinaus erhöht sich durch Eisenablagerung in der Leber auch die Menge an toxischen Substanzen (Radikalen) und damit das Risiko von Leberentzündungen. 

Neben diesen häufigen Ursachen und Risikofaktoren besteht eine Reihe seltenerer Einflüsse: Eine Mangelernährung kann durch den damit verbundenen Proteinmangel ebenfalls zur Fettleber beitragen. Auch exzessives Fasten, schnelle und starke Gewichtsreduktion oder künstliche Ernährung birgt Risiken. Es gibt eine Reihe von Medikamenten, deren Nebenwirkung eine Leberverfettung sein kann. Dazu zählen beispielsweise künstliche Östrogene oder Steroide, Tetrazykline (eine Antibiotika-Gruppe), Tamoxifen (Anti-Hormontherapie bei Brustkrebs-Therapie) oder Methotrexat. Mögliche weitere Ursachen sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Virushepatitis (Hepatitis C), Autoimmunhepatitis oder in sehr seltenen Fällen eine Schwangerschaft. Auch genetische Einflüsse scheinen die Entstehung einer Fettleber zu begünstigen.

Symptome

Eine Fettlebererkrankung ist häufig symptomarm oder sogar symptomlos, wodurch Diagnosestellung und Therapie häufig verzögert werden. Potentiell auftretende Beschwerden sind zumeist sehr unspezifisch: Unwohlsein, Müdigkeit und Leistungsminderung, Stimmungsveränderungen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Druck im Oberbauch, Übelkeit, Blähungen oder Durchfall. Im Blut sind die Leberwerte und Blutfette hoch. Gleichzeitig ist oft der Blutdruck erhöht.

Kapillar Blutentnahme aus dem FingerEin kleiner Pieks in den Finger genügt, um auffällige Werte im Blut zu diagnostizieren. /wellabe

Sollte bereits eine Entzündung der Leber vorliegen, treten rechtsseitige Oberbauchschmerzen und Symptome der Leberfunktionsstörung auf. Blutzucker und Blutfette entgleisen allmählich. Es können in höheren Stadien aufgrund des Funktionsverlusts der Leber zum Beispiel eine Gelbfärbung der Haut und Augen, Fieber, Blutgerinnungsstörungen, Juckreiz, ungewollte Gewichtsabnahme oder ein “Wasserbauch” (Aszites) und Beinödeme vorkommen. Letztendlich kann sich durch ein Leberversagen sogar eine lebensbedrohliche Situation entwickeln. 

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Diagnostik

Zu Beginn der Diagnostik wird der behandelnde Arzt relevante Informationen zur Krankheitsgeschichte, zu Risikofaktoren und zu Erkrankungen innerhalb der Familie einholen, wie beispielsweise Alkoholkonsum, Ernährungsgewohnheiten, Medikamenteneinnahme, Gewicht und Vorerkrankungen. Im Rahmen dieses Anamnesegesprächs sollten alle Beschwerden und Auffälligkeiten wie Unwohlsein, Völlegefühl oder Druck im Oberbauch geschildert werden. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung. Dabei kann der Arzt eine vergrößerte Leber unter Umständen bereits ertasten. Dieser noch unspezifische Befund wird dann genauer betrachtet. Im Blut werden die Leberwerte (gamma-GT, AST und ALT), Ferritin (Speichereisen), Albumin (Eiweiß im zellfreien Anteil des Blutes), sowie Parameter der Blutgerinnung bestimmt.

Der sogenannte Fettleberindex kann zur Abschätzung dienen, wie wahrscheinlich es ist, dass bereits eine Fettleber vorliegt. Der Body-Mass-Index, Taillenumfang, Triglyceride (aus dem Blut) und die gamma-GT (aus dem Blut) werden mit einbezogen. Bei Ergebnissen von unter 30 liegt sehr wahrscheinlich keine Fettleber vor, bei über 60 ist diese Diagnose sehr wahrscheinlich. Bei Werten zwischen 30 und 60 ist eine genaue ärztliche Abklärung empfohlen. Ein solcher Index kann aber nicht nur beim Arzt berechnet werden. Auch im umfangreichen Gesundheit-Check von wellabe ist die Untersuchung dieser Leberwerte enthalten. Bei einem erhöhten Wert sollten dann schnellstmöglich die nächsten Schritte eingeleitet werden.

Ein Ultraschallbild des Oberbauches ist die wichtigste Untersuchung zur Diagnosesicherung. Im Vergleich zum Normalbefund erscheint eine Fettleber als Aufhellung. Um den exakten Grad der Verfettung zu messen, kann eine Biopsie der Leber entnommen und mikroskopisch untersucht werden. Alternativ können auch eine nicht-invasive Kernspintomographie (MRT) oder eine nicht-invasive Elastografie (ähnlich einem Ultraschall) zur Verlaufskontrolle dienen. Sollte bereits eine Leberzirrhose vorliegen, ist eine Bauchspiegelung sinnvoll.

Ultraschall Untersuchung der LeberEine Ultraschall-Aufnahme der Leber gibt Klarheit über deren Zustand. / RossHelen

Neben der Diagnosestellung selbst ist die Ursachenforschung unerlässlich. Dazu wird der Arzt Untersuchungen veranlassen, um Risikofaktoren und weitere Erkrankungen feststellen oder ausschließen zu können. In diesem Rahmen sind wahrheitsgemäße Angaben zu Alkoholkonsum und Lebensstil unerlässlich, um den korrekten Therapieansatz zu finden.

Therapie und Prognose

Die wichtigste Säule der Therapie einer Fettleber ist die Beseitigung aller Ursachen und Reduktion von Risikofaktoren. Betroffene sollten dringend und umgehend eine Veränderung ihres Lebensstils umsetzen. Neben einer passenden, fettarmen Diät, Alkoholkarenz und Bewegung sind vor allem eine kontrollierte Gewichtsreduktion bei Adipositas, sowie die Einstellung von Blutdruck, -zucker und -fetten essentiell. Bei medikamentös ausgelöster Fettleber sollte eine mögliche Wirkstoff-Umstellung mit den behandelnden Ärzten besprochen werden. Eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte und der Leber per Ultraschall sind ebenfalls wichtig. In späten, irreversiblen Stadien wird hauptsächlich versucht, Komplikationen zu vermeiden bzw. zu behandeln, da eine Heilung nicht mehr eintreten kann. Möglicherweise bleibt eine Lebertransplantation dann die letzte Option.

Gewichtsreduktion als TherapieEine Lebensstilveränderung ist unerlässlich, um eine Fettleber zu therapieren. / seventyfourimages

Zusätzlich zu den genannten Anpassungen des Lebensstils kann der supportive Einsatz von Medikamenten erfolgen, um die Zellwände der Leber zu schützen. Bei nicht-alkoholischer Genese führten Vitamin E und Pioglitazon (ein orales Antidiabetikum) in Studien zur Verringerung der Leberverfettung und -entzündung, sind jedoch in den Therapieleitlinien nicht empfohlen. Weitere Medikamente werden aktuell in Studien erprobt. 

Je früher eine Fettleber erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung - wenn die Betroffenen entsprechend reagieren. Die Leber ist ein Organ, das bis zu einem gewissen, irreversiblen Punkt über große Fähigkeiten zur Regeneration verfügt, sodass in jedem Fall eine sofortige Umstellung des Lebensstils erfolgen sollte. Sollte sich allerdings bereits eine Leberzirrhose entwickelt haben, drohen schwerwiegende Folgen bis hin zum lebensbedrohlichen Leberversagen. Eine solche Leberzirrhose ist dann nicht mehr heilbar und kann zu Leberzellkarzinomen führen. 

Prävention

Da für eine Fettleber keine medikamentöse Behandlung zur Verfügung steht, hat die Vorsorge umso größeren Stellenwert. Die wichtigsten Faktoren der Prävention einer Fettleber sind der Verzicht auf Alkohol, eine gesunde, ausgewogene und fettarme Ernährung, sowie regelmäßige körperliche (schweißtreibende) Bewegung.

Die Ernährung - sowohl zur Prävention als auch zur Therapie - sollte kohlenhydrat-reduziert, ballaststoffreich, sowie möglichst vegetarisch sein und antientzündliche Substanzen wie Omega-3-Fettsäuren, Ingwer oder Kurkuma beinhalten. Die Basis dafür bildet Gemüse, zuckerarmes Obst, sättigende (idealerweise pflanzliche) Eiweißquellen, Vollkornprodukte und hochwertige pflanzliche Öle. Ziel ist es, den Blutzucker- und Insulinspiegel konstant niedrig zu halten. Um die Leber zu entlasten, eignen sich außerdem längere Pausen zwischen den Mahlzeiten bzw. Intervallfasten. Dieses aktiviert den Stoffwechsel und hilft das Fett in der Leber abzubauen. Snacks sollten vermieden werden. Auch auf asreichende Flüssigkeitszufuhr durch Wasser und ungesüßte Tees, sowie die Deckung des Bedarfs an Mikronährstoffen, vorwiegend durch natürliche Lebensmittel, ist zu achten. Der präbiotische Stoff Inulin, der unter anderem in vielen Wurzelgemüsesorten steckt, wirkt sich positiv auf die Leberfunktion, Darmflora und Blutfettwerte aus.

Fettleber_04Eine ausgewogene Ernährung kann die Entstehung einer Fettleber vorbeugen. / Valeria_Aksakova
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