Diabetes - Millionen Menschen sind noch nicht diagnostiziert

Viele Menschen in Deutschland leiden unerkannt an Diabetes. Was die Anzeichen der Krankheit sind und wie man dieser vorbeugen kann, erfährst Du im Folgenden.

Diabetes ist der allgemeine Begriff für eine Stoffwechselstörung im menschlichen Körper. Im Volksmund wird Diabetes auch als Zuckerkrankheit bezeichnet. Die Stoffwechselstörung wird in verschiedene Typen unterteilt. Je nach Typ ist eine genetische Veranlagung für Diabetes gegeben. Es gibt allerdings auch Faktoren, die Diabetes begünstigen. Welche Faktoren das sind, und welche Gefahr von nicht diagnostizierter Diabetes ausgeht, wird nachfolgend näher erläutert.

Zuckerkrankheit - was ist damit gemeint?

Diabetes tritt bei einem erhöhten Zuckerspiegel auf.                                                          Shutterstock.com / Africa Studio

Diabetes mellitus, so die medizinische Bezeichnung der Zuckerkrankheit, ist eine Stoffwechselstörung, bei der u.a. ein erhöhter Blutzuckerspiegel auftritt. Diabetes betrifft, laut WHO, um die 350 Millionen Menschen weltweit. In Deutschland sind ca. 9 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Die Stoffwechselstörung tritt schleichend auf und wird bei vielen Menschen zunächst nicht erkannt. Diabetes-Symptome treten zu Beginn der Erkrankung nicht durch akute Beschwerden auf.

Welche Formen von Diabetes werden unterschieden?

Medizinisch werden Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes voneinander unterschieden. Die Typ-2-Form ist weit verbreitet, während Typ-1 seltener ist. Dem Typ-1-Diabetes liegt eine Autoimmunkrankheit zugrunde. Die Form kann erblich bedingt sein. Wie bei anderen Autoimmunkrankheiten auch, wendet sich bei Typ-1-Diabetes das eigene Immunsystem gegen den Körper. In der Folge werden Insulin-produzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse des Menschen zerstört. Durch die Zerstörung des auch als Inselzellen bezeichneten Gewebes wird ein Insulinmangel erzeugt. Der Blutzuckerspiegel erhöht sich. Patienten, die Diabetes-Symptome aufweisen und die Typ-1-Krankheitsform haben, müssen Insulin substituieren.

Patienten mit Typ-2-Diabetes weisen eine Unempfindlichkeit gegenüber Insulin auf. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel. Als Typ-begünstigende Faktoren werden häufig Übergewicht und Bewegungsmangel angegeben. Doch auch schlanke Menschen können an dieser Diabetesform leiden. Betroffen sind zudem junge und alte Menschen.

Diabetes-Symptome - wie machen sie sich bemerkbar?

Müdigkeit ist eines von vielen Diabetes-Symptomen.                                                       Shutterstock.com / fizkes

Klassische Diabetes-Symptome sind Gewichtsverlust, starker Durst, Müdigkeit, trockene sowie juckende Haut, häufiger Harndrang (Polyurie) und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte. Als weiteres Symptom kann Azeton-Atem auftreten.

Wie viele ältere Menschen sind betroffen?

Diabetes tritt häufig bei älteren Menschen auf.                                                                Shutterstock.com / Syda Productions

Typ-2-Diabetes tritt häufig zwischen dem mittleren und dem hohen Alter auf. In der Gruppe der 55-jährigen bis 74-jährigen haben ca. 8,4 Prozent eine Diabetes-Erkrankung. Es wird davon ausgegangen, dass 8,2 Prozent der Menschen in dieser Altersgruppe an einem unentdeckten Diabetes leiden. Generell wird angenommen, dass in der genannten Altersklasse nur noch 60 Prozent der Menschen einen gesunden Stoffwechsel aufweisen. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass viele Menschen in der Altersklasse bereits eine gestörte Glukose-Toleranz besitzen. Eine gestörte Glukose-Toleranz gilt als Diabetes-Vorstufe.

Diabetes-Symptome - häufig unerkannt

Diabetes-Typ-2 und die Vorstufen bleiben häufig unerkannt, obwohl die Erkrankung bereits zu den Volksleiden zählt. Viele Betroffene wissen gar nicht, dass eine Stoffwechselstörung vorliegt und unterschätzen das Risiko. Diabetes-Symptome werden nicht erkannt - unbehandelt kann es zu Folgeschäden kommen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Typ-2-Diabetes tritt häufiger im mittleren und hohen Alter auf. Dennoch können auch jüngere Menschen betroffen sein und Diabetes-Symptome aufweisen. Es wird davon ausgegangen, dass es auch für Typ-2 eine genetische Veranlagung gibt. Des Weiteren werden starkes Rauchen, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht als weitere Risikofaktoren angeführt. Es ist bekannt, dass sich das individuelle Risiko, an Diabetes-Typ-2 zu erkranken, mit der positiven Beeinflussung der Risikofaktoren senken lässt. Forscher des RKI (Robert Koch Instituts) haben herausgefunden, dass viele Menschen das eigene Erkrankungsrisiko unterschätzen.

Eine Studie, die im Auftrag der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) und des RKI durchgeführt wurde, zeigt, dass ca. 80 Prozent der Befragten Menschen mit erhöhtem Typ-2-Diabetes-Risiko die Gefahr, an Diabetes zu erkranken, für gering halten. Das eigene Erkrankungsrisiko nicht zu kennen, kann im Fall von Diabetes dazu führen, dass Diabetes-Symptome oder Vorstufen von Diabetes nicht erkannt werden.

Eine unerkannte Diabetes-Erkrankung kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen. Werden Diabetes-Symptome nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu Herz-Kreislauf-Problemen kommen. Schwerwiegende gesundheitliche Probleme, wie beispielsweise Erblindung und Nierenversagen, können die Folge sein. Zudem kann eine unbehandelte Diabetes-Erkrankung zu Fußamputationen führen. Es ist wichtig, dass die Erkrankung früh erkannt und schnell behandelt wird.

Es wird, laut DDG (Deutsche Diabetes Gesellschaft) davon ausgegangen, dass viele Menschen ca. 7 Jahre lang mit Diabetes-Typ-2 leben und Diabetes-Symptome unbewusst erleben, bevor die Erkrankung erkannt wird. In der Zeit bis zur Diagnose können bereist Nerven-, Nieren-, Herz- und Gefäßschäden auftreten. Weiterhin wird angenommen, dass ein Viertel der Patienten mit koronarem Herzproblem bereits unerkannt an Diabetes leidet.

Unerkannte Diabetes-Erkrankung - was fordert die Deutsche Diabetes Gesellschaft?

Ärzte fordern Vorsorgebehandlungen, um der Krankheit im Alter vorzubeugen. Shutterstock.com / Africa Studio

Die DDG fordert ein Screening im Krankenhaus. Das Diabetes-Screening sollte flächendeckend stattfinden. Patienten, die über 50 Jahre alt sind und wegen einer anderen Erkrankung stationär behandelt werden, sollten routinemäßig in einer Klinik auf Diabetes getestet werden. Durch das Screening könnten unentdeckte Diabetes-Erkrankungen effektiv erkannt, schnell behandelt und vorgebeugt werden. Auch mögliche Komplikationen während des Krankenhausaufenthaltes könnten so vermieden werden.

Therapien, wie beispielsweise die Kortisontherapie sowie Operationen und Infekte, können bei unentdeckter Diabetes schwerwiegende Folgen haben. Es kann zu Komplikationen und sogar zu einem diabetischen Koma kommen. Behandelnde Ärzte müssen vor einem Krankenhausaufenthalt unbedingt von einer Diabetes-Erkrankung in Kenntnis gesetzt werden.

Eine Nationale Diabetes-Strategie wird angestrebt

Diabetes wurde als Volksleiden auch von der Bundesregierung anerkannt, weshalb der Koalitionsvertrag von 2018 eine Nationale Diabetes-Strategie beinhaltet. Welche Positionen diese Diabetes-Strategie aufweist und wie sowie wann diese umgesetzt wird, ist bisher unklar. Es ist allerdings bekannt, dass sich sowohl Betroffene als auch Diabetesexperten auf ein Positionspapier verständigt haben. Das Positionspapier sieht notwendige Strukturen zur Diabetes-Früherkennung sowie zur Forschungsförderung und Prävention vor.

Patienten und Experten fordern einen nationalen Rahmenplan. Die Umsetzung sollte an einen Rahmenplan gebunden sein, damit keine unterschiedlichen Qualitäten in der Versorgung auf Länderebene entstehen. Des Weiteren sollten Patienten und Fachkräfte als Steuerungsgremium einbezogen werden. Das Steuerungsgremium kann die Koordinierung der Nationalen Diabetes-Strategie zwischen Bund und Ländern gewährleisten.

Diabetes Symptome - Fazit

Diabetes sollte frühzeitig erkannt werden, um schwere Folgen zu vermeiden.            Shutterstock.com / Chinnapong

Diabetes ist eine Stoffwechselstörung die, wenn sie unerkannt bleibt, schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen haben kann. Es kann in der Folge zu Erblindung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen, Fußamputation und zu komatösen Zuständen kommen. Es wird in Fachkreisen davon ausgegangen, dass mehrere Millionen Menschen Diabetes-Typ-2 bzw. Vorstufen aufweisen und noch nicht diagnostiziert sind. Von der Deutschen Diabetes Gesellschaft wird ein flächendeckendes Diabetes-Screening im Krankenhaus gefordert.

Diabetes-Typ-2 betrifft vor allem Menschen des mittleren und höheren Alters. Daher fordert die DDG ein automatisches Diabetes-Screening für Menschen über 50, wenn diese stationär in ein Krankenhaus aufgenommen werden. Die frühzeitige Krankheitserkennung kann Folgeschäden vermeiden und möglichen Komplikationen während der Krankenhausbehandlung vorbeugen.

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