Blutzucker, Insulin und Diabetes mellitus

Kekse, Gummibärchen, Pizza, Pasta, Cola und vieles mehr - sie alle haben neben ihrer Beliebtheit noch etwas gemeinsam: Sie enthalten viel Zucker und gelten deshalb als weniger gesund. Unterscheiden kann man sie nach der Zusammensetzung der verschiedenen Zuckermoleküle. Darunter fallen neben Fetten und Proteinen auch Kohlenhydrate, die einen wichtigen Energielieferanten für unseren Körper darstellen. In diesem Beitrag zeigen wir, welche Rolle diese Stoffe spielen, wie sie sich auf den menschlichen Blutzuckerspiegels auswirken und wie die Volkskrankheit Diabetes mellitus damit zusammenhängt.

1. Der Regelkreis von Blutzucker und Insulin

Durch viele kohlenhydrathaltige Speisen gelangt Zucker in unser Blut und erhöht so den Blutzuckerspiegel. Dieser sollte jedoch konstant zwischen etwa 80 und 110 mg/dl gehalten werden, sodass unser Körper mit der Ausschüttung des Hormons Insulin aus der Bauchspeicheldrüse reagieren kann. Dieses Hormon ermöglicht es den Körperzellen den im Blut vorhandenen Zucker aufzunehmen und ihn zur Energiegewinnung zu verwenden. Folglich sinkt durch Insulin der Blutzuckerspiegel wieder, wenn der Zucker in die Zellen aufgenommen wurde. Außerdem wird parallel in Leber und Muskeln sogenanntes Glykogen, eine Speicherform von Kohlenhydraten, gebildet, das später für weitere Energie angezapft werden kann. 

Sollte jedoch über längere Zeit durch vermehrte Zufuhr von Kohlenhydraten zu viel Zucker im Blut vorhanden sein, wird zusätzlich ein Fettdepot aufgebaut. Das Hormon Insulin hemmt also die Fettverbrennung. Diese Tatsache ist vor allem für eine Gewichtsreduktion zu beachten: Wer durch Kohlenhydratzufuhr seinen Insulinspiegel erhöht, hemmt dadurch die Fettverbrennung. Diese ist insbesondere nachts von Bedeutung, weshalb auf ein kohlenhydratarmes Abendessen geachtet werden sollte. 

Insbesondere Süßigkeiten führen zu einem raschen Anstieg des Blutzuckers und der darauf folgenden Insulinausschüttung, sodass der Blutzuckerspiegel anschließend wieder schnell abfällt, was Heißhunger mit sich führen kann. Komplexe Kohlenhydrate wie in Vollkornprodukten, Haferflocken, Kartoffeln, Obst oder Gemüse hingegen bewirken eine langsame Änderungen und somit eine länger anhaltende Sättigung.

2. Die Erkrankung Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist eine durch erhöhten Blutzuckerspiegel geprägte Stoffwechselerkrankung und geht mit einem Insulinmangel oder einer Insulinresistenz einher. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwei Arten von Diabetes mellitus: Typ 1 und Typ 2. 

Typ1: Die Entwicklung des typischerweise etwa zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr diagnostizierten Typ 1 Diabetes beruht auf einer Autoimmunreaktion, bei der fälschlicherweise Antikörper gegen körpereigene Bestandteile gebildet werden. Dadurch wird die Bauchspeicheldrüse kontinuierlich angegriffen und die insulinproduzierenden Zellen zerstört, sodass daraus ein absoluter Insulinmangel resultiert. Bei den meist recht schlanken Betroffenen kann neben einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels eine spezifische Autoantikörper-Testung zur Diagnosestellung herangezogen werden. Therapeutisch erfolgt hier neben einem angepassten Lebensstil und einer Diabetesschulung immer eine Insulinsubstitution. 

Typ 2: Im Gegensatz dazu spielen bei der Manifestation des Typ 2 Diabetes mehrere Faktoren eine Rolle: eine starke genetische Komponente gepaart mit Adipositas und Überernährung bewirken zu Beginn der Erkrankung eine fortschreitende Insulinresistenz. Vereinfacht gesagt sind die Rezeptoren nach jahrelangem Überangebot von Zucker und Insulin quasi beleidigt, sodass die Zuckeraufnahme ins Zellinnere nicht mehr adäquat ist. Die Bauchspeicheldrüse versucht dies durch eine vermehrte Insulinproduktion zu kompensieren, bis sie dabei erschöpft. Nachdem der Blutzuckerspiegel anfangs nur nach dem Essen erhöht ist, wird er im späteren Verlauf der Erkrankung bereits im Nüchternzustand zu hoch sein. Seit Jahren steigt die Verbreitung von Diabetes mellitus Typ 2 zunehmend an. Betroffene sind meist übergewichtig und erkranken erst im höheren Altern ab etwa 40 Jahren, wobei sich der Zustand nur langsam verschlechtert. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Dieser Typ 2 Diabetes erlaubt durch adäquate Lebensstil Modifikationen signifikante Verbesserungen, zu Beginn der Erkrankung sogar eine vollständige Genesung.

healthy-lifestyle-concept-P5DFSNZ-minLifestyle-Modifikationen helfen, den Krankheitsverlauf von Diabetes Typ 2 zu mildern / ff-photo

3. Symptome 

Typische Symptome sind

  • ein deutlich verstärkter Durst sowie Harndrang
  • Leistungsminderung und Schwäche
  • Krämpfe
  • Juckreiz
  • Schlaf- und Stoffwechselstörungen mit Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel, Gewichtszunahme (Typ 2)
  • oder Heißhunger.

Insbesondere bei paralleler Manifestation des Typ 2 Diabetes mit Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Adipositas spricht man von dem Metabolischen Syndrom (im Volksmund: tödliches Quartett), das einen starken Risikofaktor für Ereignisse wie Herzinfarkt, Arterienverschluss oder Schlaganfall darstellt.

4. Diagnostik

Zur Diagnostik wird hauptsächlich die Bestimmung des Nüchtern-Blutzuckerspiegels, des  “Langzeitzucker” HbA1c und der orale Glukose-Toleranztest (oGTT) herangezogen.

  • Dabei erfordert ein regelhafter Nüchternblutzucker eine mindestens 8-stündige Nüchternheit. Bei 100 - 125 mg/dl wird die Diagnose Prädiabetes und bei über 126 mg/dl die Diagnose Diabetes gestellt.
  • Der “Langzeitzucker” mit einem “Blutzucker-Gedächtnis” der letzten 8 bis 12 Wochen entsteht durch irreversible Bindung von Zucker an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen. Über 6,5% gilt als Diabetes und zwischen 5,7% und 6,4% spricht man von Prädiabetes.
  • Beim oGTT, der zunehmend seltener verwendet wird, muss der Patient eine bestimmte Menge Zucker als Flüssigkeit zu sich nehmen. Anschließend wird in fest definierten Zeitabständen der Blutzuckerspiegel bestimmt. Sollte dieser nach 2 Stunden auffällig sein, kann man bei über 200 mg/dl von Diabetes und bei 140 - 199 mg/dl von Prädiabetes sprechen. 

Neben den genannten Laborparametern aus dem Blut kann auch der Urin als Probenmaterial herangezogen werden, da der Körper überschüssigen Zucker, der nicht mehr adäquat in die Zellen aufgenommen werden kann, im Urin ausscheiden möchte.

Wenn die Diagnose gesichert wurde, wird der Patient dazu angewiesen regelmäßige Eigenmessungen durchzuführen und erhält dazu eine umfangreiche Diabetesschulung. Außerdem sind weitere Kontrollen der Blutwerte, der Augen, der Nieren, der Füße und des Herz-Kreislaufsystems nötig, um Folgeerkrankungen frühzeitig zu entdecken und weitere Risikofaktoren zu optimieren.

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5. Therapie

Therapeutisch stellt eine Anpassung des Lebensstils, allen voran eine Gewichtsnormalisierung, in allen Stadien der Erkrankung eine unverzichtbare Basis dar. Durch eine zucker- und kalorienreduzierte, gesunde und ausgewogene Ernährung, sowie eine Bewegungssteigerung von sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining kann die Stoffwechsellage spürbar verbessert werden.

Idealerweise sollten häufiger kleine Mahlzeiten möglichst ohne einfachen Zucker eingenommen werden. Betroffene sollten stattdessen vermehrt auf langsam resorbierbare Kohlenhydrate - wie beispielsweise in Vollkornprodukten enthalten- zurückgreifen und auf ausreichend Ballaststoffe achten, sowie auf Diätprodukte, Zuckeraustauschstoffe und Alkohol verzichten. Die übliche Empfehlung der Nahrungszusammensetzung von etwa 55% Kohlenhydrate, 25% Fette und 15-20% Eiweiß gelten auch für Diabetespatienten.

Körperliche Betätigung dient der Senkung des Blutzuckerspiegels und erhöht die Insulinempfindlichkeit des Gewebes. Bei der Art der sportlichen Aktivität gibt es für Diabetiker ohne Folgeerkrankungen keine Einschränkungen. Auch eine Tabakentwöhnung zählt zu den empfohlenen Anpassungen.

In frühen Stadien kann eine adäquate Lifestyle-Modifikation zur Verlangsamung oder sogar zur Heilung führen. In fortgeschrittenen Stadien können dadurch nicht nur Langzeitschäden vermieden werden, sondern auch eine Reduktion von bereits angeordneten Medikamenten ist möglich.

Falls eine Lebensstilveränderung allein nicht mehr zur Normalisierung des Blutzuckerspiegels führt, werden bei Typ 2 Diabetes mellitus orale Antidiabetika eingesetzt. 

Sollte jedoch auch diese Therapie unzureichend sein, muss auf Insulin im Rahmen der Therapieeskalation zurückgegriffen werden. Meist wird neben einer festen Dosis eines langwirksamen Insulins zusätzlich zu den Mahlzeiten eine weitere, an die Nahrung angepasste Insulin-Variante gespritzt.

Insbesondere um eine Kombination aus verschiedenen Risikofaktoren für das Herz-Kreislaufsystem zu vermeiden, ist auch die Blutdruckeinstellung von Interesse. Darüber hinaus sollte auch der Fettstoffwechsel im Rahmen von regelmäßigen Blutentnahmen im Auge behalten werden, um den Übergang zum Metabolischen Syndrom zu vermeiden.

the-vial-with-vaccine-and-syringe-on-calendar-3A5Q7KS-minDurch Insulin sinkt der Blutzuckerspiegel / sergign

6. Folgeerkrankungen und Komplikationen

Im Alltag eines Diabetikers bestehen immer wieder Gefahren von Über- oder Unterzucker, die auch durch Medikamente beeinflusst werden können. 

Langfristig gesehen drohen den Betroffenen von anhaltend erhöhtem Blutzuckerspiegel Schäden

  • an Augen: Sehverschlechterung und Erblindung
  • an Nieren: mit Niereninsuffizienz, Bluthochdruck, Blutarmut
  • an Nerven: vegetative Neuropathien, periphere Polyneuropathie
  • oder das diabetische Fußsyndrom: Empfindungsstörungen, Minderperfusion, bis hin zur Amputation

Insbesondere in Kombination mit weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren können Herz-Kreislauf-Erkrankungen und -Ereignisse wie

  • die periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • das Aortenaneurysma
  • die koronare Herzerkrankung
  • ein Herzinfarkt
  • oder ein Schlaganfall auftreten.

Veränderungen der Haut, an den Gelenken, in der Leber, Wundheilungsstörungen oder erhöhte Infektanfälligkeit durch Verschlechterung des Immunsystems sind ebenfalls typische Komplikationen von Diabetes.

7. Prävention

Die bereits erwähnten Lifestyle-Modifikationen stellen gleichzeitig die effektivsten Präventionsmethoden dar. Ein normales Körpergewicht kann selbst bei genetischer Veranlagung vor der Manifestation der Erkrankung weitgehend schützen. 

Vor allem das gefährliche viszerale Fett innerhalb der Bauchhöhle birgt aufgrund seiner hormonellen Aktivität Gefahren, unter anderem für Diabetes Typ 2. Anhand des Bauchumfangs kann auf die vorhandene Menge geschlossen werden, wobei Werte bei der Frau unter 80 cm und beim Mann unter 94 cm liegen sollten, um als unbedenklich zu gelten. 

Hinsichtlich der Ernährung empfiehlt sich eine ausgewogene, kalorienreduzierte Kost. Insbesondere die mediterrane Küche gilt dabei durch ihren Fokus auf Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Fisch, gelegentlich mageres Fleisch und Vollkornprodukten als besonders geeignet. Neben ausreichend Ballaststoffen kann auch eine vorwiegend pflanzliche Ernährung zur Verbesserung der Stoffwechsellage dienen. Alkohol, Zucker und Salz sollten möglichst gemieden beziehungsweise reduziert werden. Wie in Studien gezeigt wurde, hat dagegen die ein oder andere Tasse Kaffee eine protektive Wirkung. 

Neben zucker-, fett- und kalorienreduzierter Ernährung spielt die körperliche Bewegung von täglich mindestens 30 bis 60 Minuten eine tragende Rolle, da sie die Stoffwechselsituation ebenfalls positiv beeinflusst. Aber auch eine vermehrte Bewegung im Alltag wie der Arbeitsweg auf dem Rad oder statt des Aufzuges die Treppe zu nehmen, erweitert den protektiven Effekt von körperlicher Aktivität - denn letztendlich zählt jeder Schritt. 

Aber auch die seelische Gesundheit wirkt sich auf den Blutzuckerspiegel aus: Schlafmangel oder Schlafstörungen sowie Stress bringen eine veränderte Hormonausschüttung mit sich, die den Blutzucker negativ beeinflusst. Aus diesem Grund sollten sich Betroffene öfter mal eine Pause gönnen. Auch Entspannungstechniken oder Sport dienen der Stressreduktion und fördern das innere Gleichgewicht.

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