Wie lange kann sich der Mensch konzentrieren?

Nach langen Arbeitstagen ist man oft erschöpft und mit dem Kopf nicht mehr bei der Sache. Wie lange sich der Mensch konzentrieren kann und wie die perfekten Arbeitszeiten aussehen, erfährt man im Folgenden.

Jeder kennt diese Situation: Der lange Arbeitstag findet endlich ein Ende. Wir fühlen uns müde und erschöpft. Konzentrieren können wir uns in der Regel dann auf nichts mehr. Nicht selten stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie lange sich ein Mensch eigentlich voll konzentrieren kann. Verbunden damit ist die Suche nach Lösungswegen, sich von dem Teufelskreis aus ständiger Müdigkeit und Antriebslosigkeit zu befreien. Es gibt tatsächlich Möglichkeiten, sich das Leben trotz langer Arbeitszeiten oder Schulstunden zu erleichtern. Wie lange ein Mensch konzentriert sein kann und wie Du Deine Arbeitszeit verbessern kannst, erfährst Du hier.

1.Was ist der Unterschied zwischen Konzentration und Aufmerksamkeit?

Aufmerksamkeit und Konzentration sind zwei unterschiedliche Dinge.                Shutterstock.com / fizkes

Während sich die Aufmerksamkeit auf der Ebene der Wahrnehmung bewegt, richtet sich die Konzentration auf eine konkrete Tätigkeit. Dabei verhilft uns der vertiefte Denkvorgang, eine Aufgabe zu lösen oder eine Handlung einwandfrei zu erledigen.

In der Schule konzentrieren sich die Kinder in den jeweiligen Fächern, um bestimmte Themenstellungen mündlich oder schriftlich zu bearbeiten, der Büroangestellte erledigt täglich seine PC-Arbeit, der Küchenchef zaubert Gerichte der Meisterklasse, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen. Charakteristisch für die aktive, geistige Fähigkeit der Konzentration ist also das zielgerichtete Handeln oder Denken unter Ausschaltung sämtlicher Einflüsse, die uns umgeben.

Die Aufmerksamkeit hingegen steuert die Wahrnehmung. Sie führt zu bestimmten Bewusstseinszuständen: Auto-, Motorrad- und Fahrradfahrer sowie auch Fußgänger sind aufmerksam für mögliche Situationen im Straßenverkehr. Mehrere Beobachtungen, die der Straßenverkehrsteilnehmer schlicht auch beiläufig macht, erfasst die bewusste Wahrnehmung. Auf diese Weise können die Teilnehmer im Verkehr mehr wahrnehmen. Das Autofahren oder Fahrradfahren als einzelne Tätigkeit erfordert Konzentration. Die Wahrnehmung bezieht also gerade nicht auf das tätig sein an sich.

2.Wie lange kann der Mensch produktiv arbeiten?

Menschen können nur vier bis sechs Stunden produktiv sein.
Menschen können nur vier bis sechs Stunden produktiv sein.                                Shutterstock.com / PKpix

Was das Recht erlaubt, halten Mediziner für nicht sinnvoll: zwölf Stunden täglich als regelmäßige tägliche Arbeitszeit. Zu Recht stellt sich hier die Frage, ob ein Mensch überhaupt so lange produktiv sein kann. Ist es möglich, über diese lange Zeitspanne hinweg durchweg fruchtbare Ergebnisse zu erzielen? Arbeitspsychologen aus Schweden, Neurowissenschaftler aus Österreich und australische Forscher halten neben anderen Experten sehr viel kürzere Arbeitszeiten für weitaus produktiver. Die Zeitspanne, in der sich die Konzentration eines Menschen gleichbleibend halten kann, liegt nach einhelliger Meinung zwischen vier und sechs Stunden. Jede Stunde, die darüber hinausgeht, mindert die kognitiven Fähigkeiten und somit auch die Qualität der Arbeit. Dies gilt auch dann, wenn der Berufstätige bei einer Arbeitszeit von zwölf Stunden am Tag mehrere Pausen zwischendurch einlegt.

Die Hirnleistung des Menschen entspricht nicht der Leistung einer vorprogrammierten Maschine. Nach Stunden höchster Konzentration ermüdet unser Gehirn. Unser Arbeitsgedächtnis ist nach wissenschaftlicher Meinung zwar in der Lage, eine ganze Flut von Informationen über einen längeren Zeitraum zu speichern und auf Abruf bereit zu halten, irgendwann jedoch kann das menschliche Gehirn keine weiteren Informationen aufnehmen. Als Schutzmechanismus reagiert unser Kopf und sortiert sich quasi selbst, indem Informationen entweder entsorgt, vergessen oder einfach nicht mehr bearbeitet werden.

3.Konsequenzen langer Arbeitszeiten

Arbeitet man zu lange, schadet man sich selbst.                                                                Shutterstock.com / Rawpixel.com

Der effektive Zustand der Konzentration verhindert fehlerhaftes Handeln und Denken. Deshalb können wir vernünftig agieren in Situationen, die der Vernunft bedürfen. Wenn sich ein Mensch aber überarbeitet, kann er Schaden nehmen. Die Leistungsfähigkeit des Gehirns nimmt rapide ab, Informationen werden nur noch unvollständig bis gar nicht verarbeitet. Vielmehr filtert unser Kopf Fehler nicht mehr. Die Folge: das Unfallrisiko steigt erheblich. Eine schnelle Reaktionsfähigkeit sinkt rapide. Wer nach einem langen Arbeitstag vor Müdigkeit kaum noch Laufen kann, sollte besser auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen, wenn möglich.

Eventuelle Schadensfälle machen sich aber nicht nur im Straßenverkehr bemerkbar, sondern auch im Berufsleben und privat. Die aufgrund zu langer Arbeitszeiten verursachte Müdigkeit schränkt die Lebensqualität nämlich deutlich ein. Ungeschickte Handlungen häufen sich, manche Menschen reagieren gereizt, wenn sie müde sind. Nicht nur die überarbeitete Person leidet, sondern auch die Mitmenschen. Was privat durch die Hilfe anderer Menschen aufgefangen werden kann, lässt sich bei Fehlern im Beruf nicht immer beheben. Erledigt der permanent überarbeitete Angestellte die ihm übertragene Aufgabe nicht richtig, kann ihn das den Job kosten.

Wenn andere Stressfaktoren hinzukommen

Selten kommt ein Übel allein. Die Konzentration kann auch von anderen Stressoren unterbrochen werden. Familie, Beruf, erhöhte Arbeitszeiten und Karrieredruck können im Zusammenspiel zu einem Zusammenbruch der Aufnahmefähigkeit führen. Das kann in einem Burnout enden.

4.Wie sehen die besten Arbeitszeiten aus?

Weniger Arbeit macht zufriedener.
Weniger Arbeit macht zufriedener.                                                                                         Shutterstock.com / OPOLJA

Mehrere Studien unterschiedlicher Institute weltweit und auch große Unternehmen haben sich dem Thema der produktiven Konzentration angenommen mit einem nicht wirklich überraschenden Ergebnis: Weniger Arbeit führt zu mehr Zufriedenheit. Unternehmen wie Amazon und Autohersteller wie Toyota konnten bei einer Reduzierung der Arbeitszeiten eine Erhöhung des Profits feststellen. Auf lange Sicht arbeiten Menschen produktiver, wenn die Arbeitsstunden zwischen vier und sechs Stunden liegen.

Wer sich in dieser Zeit bestens konzentrieren kann, fühlt sich auch motivierter für den nächsten Tag. Damit einher geht die Bereitschaft, die Leistungen in der vorgegebenen Zeit zu erledigen, womit gleichzeitig eine Steigerung der Qualität verbunden ist.

Wer dennoch zwölf Stunden arbeitet, kann sich selbst entlasten. Die vielen Stunden lassen sich durchaus effektiv nutzen, wenn der Arbeitnehmer seine Arbeitszeit selbst flexibel einteilen darf. Dabei wirkt es sich positiv auf die Arbeitsleistung aus, wenn selbst entschieden werden darf, wann und ob länger gearbeitet wird. Diesbezügliche Mitbestimmungsrechte erhöhen zudem auch die Bereitschaft, mehr Leistung zu erbringen. Oftmals ist mit der Möglichkeit der flexiblen Zeiteinteilung auch ein längerer Urlaub verbunden.

5.Von welchen anderen Faktoren hängt die Konzentration ab?

Konzentration hängt schließlich nicht immer nur von der Dauer der Zeit ab, in der unser Kopf Höchstleistungen erbringen muss. Sowohl äußere als auch innere Faktoren spielen hier eine entscheidende Rolle. Geht es beispielsweise um eine ungeliebte Aufgabe oder Tätigkeit, verhindert die Unlust das konzentrierte Denken. Damit in Zusammenhang steht auch häufig das Können. Wenn uns etwas nicht liegt, werden wir auch nicht gut darin sein.

Dazu kommt die Stimmung bzw. Laune, die uns im Moment der geforderten Konzentration begleitet. Ist unsere Stimmung schlecht, wird sich auch der Kopf nicht gut konzentrieren können.

Äußere Reize stellen einen weiteren Faktor dar, der Menschen daran hindert, sich zu konzentrieren. Besonders Kinder und Jugendliche in der Schule sind diesen äußeren Reizen permanent ausgesetzt. Die Konzentration leidet darunter, weil die Fähigkeit, Reize zu selektieren, noch nicht voll ausgebildet ist. Kinder lassen sich daher sehr leicht ablenken. Damit sie sich auf die Hausaufgaben konzentrieren können, brauchen sie Ruhe und eine ordentliches Umfeld.

6.Wie lange können sich Kinder konzentrieren?

Kinder können sich nur kurz konzentrieren.
Kinder können sich noch nicht lange konzentrieren.                                                      Shutterstock.com / stockfour
  • Kinder 4 bis 5 Jahre: im Schnitt 10 Minuten
  • Kinder 5 bis 7 Jahre: im Schnitt 15 Minuten
  • Kinder 7 bis 10 Jahre: im Schnitt 20 Minuten
  • Kinder 10 bis 12 Jahre: im Schnitt 25 Minuten
  • Kinder 12 bis 16 Jahre: im Schnitt 30 Minuten

Geht es um darum, wie lange sich Kinder konzentrieren können, ist das Thema rund um ADHS nicht weit. Kinder, die darunter leiden, verfügen über zu wenig Botenstoffe zwischen den einzelnen Nervenzellen im Gehirn. Sie haben Schwierigkeiten damit, einen Gedanken zu Ende zu denken. Das Denken selbst ist für Kinder mit ADHS Schwerstarbeit, weil die Botenstoffe der Hirnnervenzellen schneller verbraucht sind. Dennoch können sie sich unter gewissen Umstände konzentrieren. Als Denkverstärker können Belohnungen, Spaß und Motivation dienen, sofern eine gute Portion Selbstbestimmungsrecht mit von der Partie ist. Triebfeder ist weniger die Aufgabe, die es zu lösen gilt, sondern vielmehr die motivierende Aussicht einer Belohnung.

In der Schule macht die überwiegend fehlende Fähigkeit, sich auf lange Dauer zu konzentrieren, oftmals Probleme. Aufgaben müssen in einer bestimmten Zeit gelöst werden, dafür gibt es meistens keine Belohnung. Leistungsdruck und die Angst vor dem Versagen machen sich breit, was sich bei ADHS dann in aggressiven oder clownhaften Verhaltensweisen zeigen kann.

7.Wie lange können sich Erwachsene konzentrieren?

Gegenüber Kindern verfügen Erwachsene über eine längere Konzentrationsdauer. Diese liegt bei etwa 90 Minuten, wobei die Konzentrationsfähigkeit mit zunehmendem Alter in der Regel abnimmt. Kognitive Fähigkeiten verschlechtern sich und auch die Aufmerksamkeitsspanne nimmt ab.

8.Fazit

Die Wenigsten können sich ihre Arbeitszeiten aussuchen. Diese werden in einem Arbeitsvertrag vom Arbeitgeber bestimmt. Wer bis zu zwölf Stunden arbeiten muss und nicht die Möglichkeit einer flexiblen Arbeitseinteilung oder Home-Office hat, muss in diesen sauren Apfel beißen. Um Unfälle, Ungeschicktheiten und Fehler zu vermeiden, sollte an freien Wochenenden die meiste Zeit für eine Regenerationsphase genutzt werden oder sich zwischendurch ein bis zwei freie Tage genommen werden.

Wer seine Arbeitszeit flexibel einteilen kann, ist besser dran. Die Konzentrationsphasen, die höchste Produktivität bringen, kann der Arbeitnehmer schließlich intelligent in die für ihn effektivste Tageszeit legen.

Die ideale Konzentrationszeit, die die besten Früchte der Arbeitsleistung abwirft, liegt jedoch zwischen vier und sechs Stunden. In diese Zeitspanne sollten die wichtigsten bzw. schwierigsten Aufgaben gelegt werden, damit diese ohne Fehler bewerkstelligt werden können. Weil der Kopf nicht anders kann, hilft eine Priorisierung der zu erledigenden Tätigkeiten. Weniger wichtige Betätigungen oder Denkaufgaben können an der ein oder anderen Stelle auf die volle Konzentration verzichten und zu einem späteren Zeitpunkt erledigt werden. Das muss die jeweilige Person in diesem Fall individuell entscheiden.

 

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