Wie Du Stressoren besser erkennst

Im Alltag siehst Du dich oft verschiedenen Stressoren ausgesetzt. Ist die Beanspruchung zu groß, ist Deine Gesundheit gefährdet. Wir bieten Dir daher einen Überblick darüber, was Stressoren sind und wie Du am besten mit ihnen umgehst.

Während der Arbeit bist Du täglich Stressoren ausgesetzt, die Dich auf unterschiedlichste Weise beanspruchen. Eine zu starke und chronische Beanspruchung hat Folgen für Deine Gesundheit und Arbeitsfähigkeit.

Verschaffe Dir einen Überblick darüber, was Stressoren sind, damit Du leichter einschätzen und erkennen kannst, welche Belastungen täglich auf Dich einwirken.

1.Stressoren: Das Belastungs-Beanspruchungs-Modell

Stressoren

 

Wichtig ist hierbei ein ganz bedeutsamer Unterschied – und zwar zu unterscheiden zwischen Belastung und Beanspruchung. Allein die Tatsache, dass Du einem Stressor ausgesetzt bist und er auf Dich einwirkt bedeutet nicht, dass Du mit negativen Folgen rechnen musst. Ein Stressor stellt zwar eine potentielle Belastung dar, der bei jedem Individuum jedoch zu unterschiedlicher Beanspruchung führt.

In der DIN-Norm für Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung wird Belastung als die Gesamtheit aller äußeren Bedingungen und Anforderungen im Arbeitssystem, die auf den Zustand einer Person einwirken, beschrieben. Das macht deutlich, dass Belastungen objektive Faktoren meinen. Die Beanspruchung ist das, was folglich daraus resultiert. Es meint die unmittelbare Auswirkung der Anforderung in jeder individuellen Person. Das ist natürlich abhängig vom aktuellen Zustand des Betroffenen, beispielsweise Alter, Geschlecht, Stimmung, Müdigkeit oder eigenen Bewältigungsstrategien. Wie sehr sich eine Belastung auf Dich auswirkt, hängt also viel von dem ab, was Du bereits mitbringst.

In der Stresstheorie meint man mit Stressoren vor Allem die oben genannten Belastungen, also die Anforderungen, denen Du durch die Arbeit ausgesetzt bist. Auch wenn wir im Alltag mit dem Wort „Belastung“ etwas Negatives in Verbindung bringen, so geht die Psychologie eher davon aus, dass Belastungen an sich weder positiv noch negativ sind. Es ist wichtig das Zusammenspiel von Belastungen und deren Auswirkungen zu verstehen. So ist allein die Tatsache, dass Du verschiedene Arbeiten gleichzeitig tun musst definitiv eine Belastung, und doch könntest Du dich dadurch nicht sehr beansprucht fühlen.

2.Arten von Stressoren

Es wird zwischen psychosozialen, und physikalischen Stressoren unterschieden.Es wird zwischen psychosozialen, und physikalischen Stressoren unterschieden. Shutterstock.com / Minerva Studio

Die betriebliche Gesundheitspsychologie unterscheidet in der Regel zwischen Psychosozialen Stressoren, die Einfluss auf Deine psychische Gesundheit nehmen können, und den Physikalischen Stressoren, die deine körperliche Gesundheit beeinflussen können. Psychosoziale Belastungen können sowohl aus der Tätigkeit selbst resultieren, wenn Du z.B. unter hohem Zeit- und Leistungsdruck arbeitest oder aus einer erlebten Bedrohung durch eine Situation, z.B. wenn Du Angst hast Deine Arbeit zu verlieren. 

Physikalische Belastungen sind alle Anforderungen, die die Arbeitsumwelt an Dich stellt: Lärm, Wärme, Luftqualität, schweres Heben u.s.w.

Eine Erwerbstätigenbefragung der BAuA aus 2012 mit mehr als 17.000 Teilnehmern hat ergeben, dass besonders Multitasking, starker Termin- und Leistungsdruck, ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge und Unterbrechungen bei der Arbeit, häufige Belastungen darstellen. Besonders bei den Stressoren „starker Termin- und Leistungsdruck“ und „bei der Arbeit gestört, unterbrochen“ berichten die Befragten über hohe Beanspruchung.

Eine weitere Möglichkeit Stressoren zu kategorisieren sind die folgenden Ebenen:

  • Arbeitsinhalt / Arbeitsaufgabe: z.B. wenig Handlungsspielraum, zu geringe Abwechslung
  • Arbeitsorganisation: z.B. lange Arbeitszeiten, Nachtarbeit, intransparente Kommunikation, monotone Arbeitsabläufe
  • Soziale Beziehungen: z. B. Streit mit Kollegen und Vorgesetzten, schwierige Kunden, wenig Untersetzung durch Chef
  • Arbeitsumgebung: veraltete Computer, Arbeitsplatz im Durchgangszimmer mit hoher Lautstärke

3.Auch das sind Stressoren:

Lebensereignisse können ebenfalls Stressoren sein.Bei verschiedenen Ereignissen im Leben kann es sich auch um Stressoren handeln. Shutterstock.com / Interior Design

Arbeitsplatzbezogene Lebensereignisse wie der Verlust des Jobs, Renteneintritt, organisationale Umstrukturierungen, Änderungen der finanziellen Lage oder Ärger mit den Vorgesetzten haben auch einen Einfluss und stellen potentielle Stressoren dar. Denn diese Lebensereignisse, obgleich sie manchmal auch erwünscht sind, umfassen oft eine Neuanpassung der gewohnten Lebensmuster. Und diese Anpassung stellt uns oft vor neue Herausforderungen, die viel Anpassungsleistung von uns abverlangen.

Eine weitere Art von Stressoren nennt man auch alltägliche Ärgernisse oder Daily Hassles. Damit sind alle Ärgernisse des Alltags gemeint, die Dich im Umgang mit deiner Umwelt irritieren oder frustrieren. Eventuell frustriert Dich ja die tägliche Suche nach einem Parkplatz oder Du bist genervt, wenn vor Dir in der Warteschlange an der Kasse Jemand seine letzten Cent-Stücke zusammenkratzt. Auch das sind Belastungen, denen Du jeden Tag begegnest, und sie haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Deine Gesundheit.

4.Wie sich die Beanspruchung durch Stressoren auf Dich auswirkt

Stressoren können körperliche Auswirkungen haben.Stressoren können verschiedene Auswirkungen haben.                                      Shutterstock.com / Gustavo Frazao

Bist Du Stressoren ausgesetzt, so können sich die Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen zeigen: Körperlich, psychisch oder im Verhalten. So zeigt sich eine Beanspruchung durch Belastungen kurzfristig in einer aktuellen körperlichen Reaktion, wie die Erhöhung der Herzfrequenz, Blutdrucksteigerung oder der Ausschüttung von Adrenalin und anderen Stresshormonen. 

Du fühlst Dich auf körperlicher Ebene eventuell angespannt, erschöpft und bemerkst an Dir beispielsweise, dass Du mehr Fehler machst oder die Konzentration nachlässt. Manche reagieren mit Aggression gegen andere oder Rückzug, indem sie sich innerhalb oder außerhalb der Arbeit zurückziehen.

Wenn Stressoren über einen längeren Zeitraum vorhanden sind, können sich auch Langzeitfolgen bemerkbar machen. Im schlimmsten Fall psychosomatische Beschwerden, Krankheiten oder es entstehen psychische Störungen, wie die Depression. Meist werden dann auch Fehlzeiten und Krankheitstage vermehrt auftreten.

5.Stressoren und die Stressreaktion

Stress ist ein subjektiver Zustand.                                                                  Shutterstock.com / Gearstd

Wann stellt sich denn nun Stress ein, und wann kommt es zum Stressabbau? Nach Greif ist eine Stressreaktion ein subjektiver Zustand, der sich dann einstellt, wenn befürchtet wird, dass eine als bedrohend bewertete Situation nicht vermieden werden kann, und eine Person erwartet, dass sie nicht in der Lage sein wird sie zu beeinflussen oder keine Ressourcen zur Bewältigung sieht. Dabei wird deutlich, dass vor Allem ein Ungleichgewicht von Belastung durch Stressoren und den bewerteten Bewältigungsmöglichkeiten, zum Erleben von Stress führt. 

Um zu verstehen wie wir unter Stress geraten, wird es hier noch ein wenig verdeutlicht:

Wir alle erleben verschiedenste Situationen und bewerten automatisch, ob Situationen für uns positive oder negative Auswirkungen auf unser Wohlergehen haben. Stell Dir vor Du wirst bei der Arbeit an einem wichtigen Projekt häufig unterbrochen. Falls Du nun diese Situation als bedrohlich erlebst, weil Du Sorge hast Deine Arbeit nicht zu schaffen, dann wirst Du Stress insbesondere dann erleben, wenn Du die Überzeugung hast, keine Bewältigungsmöglichkeiten oder andere Ressourcen zu haben, um Deine Arbeit zu erledigen. 

Anders sähe es aus, wenn Du z.B. Rückhalt und Unterstützung deiner Kollegen hättest oder Du dir noch einige Tage Zeit verschaffen könntest. Durch diese Stressprävention würdest Du die Situation eher noch als Herausforderung erleben.

6.Arbeitsbedingte Stressoren sind vielfältig

Abschließend ist anzumerken, dass wie jeder Arbeitnehmer auch jedes Arbeitsumfeld sehr individuell ist. Mögliche Stressoren brauchen eine Betrachtung im Einzelfall. Um die Beanspruchung durch Stressoren so gering wie möglich zu halten ist es immer ratsam zu versuchen den Stress zu vermeiden, doch das ist sicherlich nicht immer möglich. So empfiehlt es sich mit dem Blick auf die eigene Arbeit die Gesundheit zu fördern und Folgeschäden einer übermäßigen Beanspruchung entgegenzuwirken.

 

In der Stresstheorie meint man mit Stressoren alle inneren und äußeren Reize, die Stress verursachen. Vor allem die Anforderungen, denen Du durch die Arbeit ausgesetzt bist, können Stressoren darstellen.

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In der Gesundheitspsychologie wird zwischen psychosozialen, und physikalischen Stressoren unterschieden. 

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Psychosoziale Stressoren beeinflussen die psychische Gesundheit (Leistungs- und Zeitdruck usw.), und physikalische Stressoren haben Einfluss auf die körperliche Gesundheit (Lärm, schweres Heben usw.).

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