Vorsorge-Untersuchungen

In Deutschland werden die meisten Vorsorgeuntersuchungen von der Krankenkasse gezahlt. Um ernste Krankheiten rechtzeitig zu erkennen und schon beim Auftreten der ersten Symptome zu behandeln, solltest Du von diesem Recht Gebrauch machen. Bei uns erfährst Du, welche Untersuchungen es gibt und auf welche Du auf keinen Fall verzichten solltest.

Ein langes und gesundes Leben - das wünscht sich jeder. Gesunde Ernährung, Bewegung und Sport sind nur einige der Voraussetzungen dafür. Eine weitere, nicht zu unterschätzende Voraussetzung für eine lang anhaltende Gesundheit sind aber auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Die von deutschen Krankenkassen geförderten und bezahlten Gesundheitsuntersuchungen dienen der Früherkennung von Erkrankungen. Dies verbessert deren Heilungschancen erheblich. Viele Krankheiten sind im Anfangsstadium noch verhältnismäßig leicht zu behandeln. In ihrer chronischen Form hingegen wesentlich schwerer. Auch wenn man keine akuten Beschwerden hat und sich wohlfühlt, sollte auf Vorsorgeuntersuchungen nicht verzichtet werden. Es gibt verschiedene Krankheiten (z.B. Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette, Krebs, etc.), die im Anfangsstadium unauffällig sind. Zunächst verursachen sie keine akuten Beschwerden, doch längere Zeit unerkannt und unbehandelt, führen sie zu ernsthaften Erkrankungen. Im schlimmsten Fall drohen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod. Vorsorgeuntersuchungen sind daher eine wichtige Maßnahme, um Krankheiten schon beim Auftreten der ersten Symptome zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln.

Welche Vorsorgeuntersuchungen gibt es?

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Einen gesetzlichen Anspruch auf Vorsorgeuntersuchungen haben in Deutschland alle krankenkassenversicherten Erwachsenen und Kinder. Die im Folgenden näher erläuterten Vorsorgeuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen kostenlos übernommen:

  • Früherkennung von Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und Diabetes (ab 18 Jahre): Wird für Männer und Frauen von 18 bis 35 Jahren angeboten und besteht aus einer Erfassung der Krankengeschichte des Patienten, plus einer körperlichen Untersuchung sowie einer abschließenden Beratung zum Untersuchungsergebnis
  • Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und Krebserkrankungen der Genitalien (ab 20 Jahre): Wird einmal für Frauen im Alter von 20 bis 22 Jahren angeboten und besteht aus einer Erfassung der Krankengeschichte der Patientin, einer Untersuchung der Geschlechtsorgane sowie der Entnahme einer Gewebeprobe (Abstrich) aus dem Muttermund und dem Gebärmutterhalskanal. Nach der mikroskopischen Untersuchung der Zellen erfolgt abschließend eine Beratung zum Untersuchungsergebnis
  • Früherkennung von Brustkrebs (ab 30 Jahre): Diese zusätzliche Vorsorgeuntersuchung für Frauen wird jährlich angeboten. Der untersuchende Arzt tastet dabei Brust und örtliche Lymphknoten (Achselhöhlen) der Patientin ab, um krankhafte Veränderungen (Knotenbildung, Verhärtungen) festzustellen. Die Patientin erhält außerdem eine Anleitung, um ihre Brust selbstständig auf verdächtige Knoten hin zu untersuchen
  • Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes (ab 35 Jahre): Wird für Männer und Frauen alle drei Jahre angeboten und besteht aus einer Erfassung der Krankengeschichte des Patienten, einer körperlichen Untersuchung, einer Kontrolle der Blutfettwerte, des Blutzuckers sowie des Urins und einer abschließenden Beratung zum Untersuchungsergebnis
  • Früherkennung von Hautkrebs (ab 35 Jahre): Wird für Männer und Frauen alle zwei Jahre angeboten und schließt neben einer Erfassung der Krankengeschichte des Patienten, die Untersuchung der gesamten Haut und die abschließende Beratung zum Untersuchungsergebnis mit ein
  • Früherkennung von Krebserkrankungen der Prostata und der äußeren Genitalien (ab 45 Jahre): Wird für Männer jährlich angeboten und beinhaltet die Erfassung der Krankengeschichte des Patienten, die Untersuchung der äußeren Geschlechtsorgane, der Prostata und der örtlichen Lymphknoten durch Abtasten und eine abschließende Beratung zum Untersuchungsergebnis

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  • Früherkennung von Darmkrebs / Darmkrebs-Screening (ab 50 Jahre): Für Frauen umfasst diese Vorsorgeuntersuchung erstmalig eine Beratung zum Darmkrebs-Früherkennungsprogramm und im folgenden bis zum Alter von 54 Jahren einen jährlichen Test auf verstecktes Blut im Stuhl. Männer im Alter von 50 bis 54 Jahre haben die Wahl zwischen einem jährlichen Test auf verstecktes Blut im Stuhl oder alternativ ab einem Alter von 50 Jahren zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren
  • Früherkennung von Darmkrebs und Darmkrebs-Screening (ab 55 Jahre): Wird für Männer und Frauen angeboten und umfasst wahlweise alle zwei Jahre einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl oder zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren
  • Früherkennung von Brustkrebs und Mammographie-Screening (ab 50 Jahre): Wird für Frauen alle zwei Jahre bis zum Erreichen des 70. Lebensjahres angeboten und beinhaltet die Erfassung der Krankengeschichte der Patientin, eine Röntgen-Untersuchung (Mammografie-Screening) der Brust und eine Information über das Untersuchungsergebnis. Die Einladung zu dieser Vorsorgeuntersuchung erfolgt seitens der Krankenkasse per Post
  • Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen (ab 65 Jahre): Wird für Männer angeboten und umfasst einmalig eine Patientenaufklärung zur Vorsorgeuntersuchung bzw. Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen und eine Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader

Welche Vorsorgeuntersuchungen und Präventionsmaßnahmen sind unverzichtbar?

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Grundsätzlich gilt die Empfehlung der Ärzte und Krankenkassen: Alle angebotenen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen! Natürlich gibt es auch Vorsorgeuntersuchungen, die nicht zwingend notwendig sind und auf die man verzichten könnte. Doch folgende Vorsorgeuntersuchung sollte man in jedem Fall wahrnehmen: 

  • Gesundheits-Check: Diese, auch Check-up 35 genannten, im Abstand von zwei Jahren angebotenen, Standard-Kontrollen dienen der frühzeitigen Erkennung von Krankheiten des Herz- und Kreislaufsystems, Nierenerkrankungen sowie Diabetes. Unter anderem wird beim allgemeinen Gesundheits-Check auch der Blutdruck gemessen, sowie der Urin, der Cholesterinspiegel und der Nüchternblutzucker untersucht
  • Untersuchung auf Hautkrebs: Bei dieser wichtigen Früherkennungsuntersuchung wird der ganze Körper inklusive Kopfhaut, Gesäß und Geschlechtsteile des Patienten vom Arzt nach Leberflecken abgesucht. Bei auffälligen Veränderungen folgt eine Laboruntersuchung
  • Messung des Augeninnendrucks: Diese wichtige Untersuchung beim Augenarzt dient der Früherkennung und Verhinderung von Grünem Star (Glaukom). Hierbei handelt es sich zwar um eine individuelle Gesundheitsleistung, das heißt, sie wird von den Krankenkassen nicht übernommen. Da sie aber nur ca. 10 bis 22 Euro kostet, sollte das aber keine Rolle spielen. Glaukome bleiben oft über viele Jahre hinweg unbemerkt. Die frühzeitige Erkennung erhöht die Behandlungschancen und senkt das Risiko von unheilbaren Sehschäden. Im schlimmsten Fall droht sogar Erblindung. Bei Verdacht auf Grünen Star werden aber weitere Untersuchungen und Behandlungen von der Krankenkasse übernommen
  • Tastuntersuchung auf Prostatakrebs: Bei dieser Untersuchung werden die Genitalien und Lymphknoten in der Leiste von einem Arzt abgetastet. Zudem wird die Prostata durch den Enddarm abgetastet. Eine Alternative zu der etwas unangenehmen manuellen Abtastung ist der PSA-Test (PSA-Screening). Damit wird ein bestimmtes, prostataspezifisches Enzym (Antigen) im Blut bestimmt. Der ermittelte Wert wird zur Früherkennung und Verlaufsbeurteilung von Prostatakrebs herangezogen. Das PSA-Screening wird von deutschen Krankenkassen nicht bezahlt. Ein außerhalb der Norm liegender, erhöhter PSA-Wert bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Betreffende Prostatakrebs hat. Die Messung des PSA-Wertes für sich alleine, ist nicht geeignet, um die Diagnose Prostatakrebs zweifelsfrei stellen zu können

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  • Röntgenologische Untersuchung der Brust (Mammografie): Mit dieser Methode können Brustkrebsherde bei Frauen erkannt werden, die sich noch nicht tasten lassen. Sinnvolle Alternativen zur Röntgenuntersuchung sind die Brustultraschall-Untersuchung (Mamma-Sonografie) und die Magnetresonanztomografie (MRT). Letztere liefert dabei die besten Ergebnisse. Leider werden beide Untersuchungsmethoden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Lediglich bei Frauen mit sehr hohem Brustkrebsrisiko (z. B. wenn Brustkrebs in der Familie bereits vorgekommen ist) erfolgt unter Umständen eine Übernahme durch die Krankenkasse
  • Spiegelung des Dickdarms (Koloskopie): Für diese schmerzlose Vorsorgeuntersuchung wird der Patient in Dämmerschlaf versetzt. Mithilfe dieser Untersuchung lassen sich vorhandene Krebsvorstufen (Polypen) im Dickdarm erkennen und können anschließend beseitigt werden. Eine Alternative ist die alle zwei Jahre mögliche Stuhluntersuchung auf verstecktes Blut. Fällt diese positiv aus, ist eine Darmspiegelung zur Abklärung dringend zu empfehlen
  • Abstrich auf Gebärmutterhalskrebs: Dabei werden Abstriche vom Muttermund und Gebärmutterhalskanal gemacht und unter dem Mikroskop untersucht. Mit dieser, auch Pap-Test genannten Vorsorgeuntersuchung, kann der Arzt erkennen, ob die entnommenen Schleimhautzellen Entzündungen oder Krebsanzeichen aufweisen. Ergänzt wird die Untersuchung durch den sogenannten HPV-Test, der im Scheidenbereich humane Papillomaviren feststellen kann. Papillomaviren können nach längerer Zeit Krebs auslösen
  • U-Untersuchungen: Diese umfassen insgesamt 10 Termine zur Vorsorgeuntersuchung bei Kindern bis zu einem Alter von sechs Jahren. Damit sollen mögliche Gesundheitsstörungen und Auffälligkeiten in der Entwicklung der Kinder rechtzeitig erkannt werden
  • Zahnvorsorge-Untersuchungen: Für Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 18 Jahren werden Vorsorgeuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten halbjährlich angeboten. Des Weiteren werden halbjährliche Zahnvorsorge-Untersuchungen für Frauen und Männer ab 18 Jahren angeboten
  • Schutzimpfungen: Auf folgende Regelimpfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche sollten Eltern nicht verzichten: Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Pertussis (Keuchhusten), Masern, Mumps und Röteln. Ergänzend auch Hepatitis B und Haemophilus influenzae Typ B. Außerdem humane Papillomaviren für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren. Und die Auffrischimpfungen nicht vergessen, z. B. Diphtherie alle 10 Jahre und Tetanus. Des Weiteren bieten die Krankenkassen auch sogenannte Indikationsimpfungen für Personen mit erhöhter Gefährdung an. Zum Beispiel für Personen ab einem Alter von 60 Jahre gegen Influenza oder Pneumokokken-Infektion. Personen, die oft im Wald sind, gegen FSME (Frühsommermeningo-Enzephalitis)
  • Schwangerschafts-Vorsorgeuntersuchung: Dazu gehören die Erkennung und Überwachung von Risikoschwangerschaften, Ultraschalldiagnostik, Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes, Untersuchung auf HIV, weitere Blutuntersuchungen auf Infektionen und schließlich noch die Untersuchung und Beratung von Wöchnerinnen

Fazit

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Das Vorsorgeangebot deutscher Krankenkassen ist weltweit einzigartig. In Deutschland haben gesetzliche krankenversicherte Anspruch auf zahlreiche Vorsorgeuntersuchungen. Leider nehmen allzu viele diese gesundheitsfördernde und erhaltende Möglichkeit nicht wahr. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen jedoch, die Risiken von Erkrankungen erheblich zu reduzieren. Besonders schleichende Erkrankungen, die ohne Früherkennungsuntersuchungen möglicherweise unbemerkt bleiben, werden oft erst behandelt, wenn es zu spät ist.

 

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