BGM in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern

Gerade in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern ist BGM besonders wichtig. Hier kümmern sich die Mitarbeiter*innen rund um die Uhr um die Gesundheit der Patient*innen und Pflegebedürftigen. Aufgrund der dauerhaft hohen Belastung ist es hier besonders wichtig, im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in die Gesundheit der Mitarbeiter*innen zu investieren. 

Unter BGM werden alle Leistungen zusammengefasst, die dazu dienen, die Gesundheit der Mitarbeiter*innen zu erhalten und zu fördern. Das ist besonders in Pflegeheimen und Krankenhäusern wichtig. Aktuelle Studien belegen: Im Gesundheitswesen liegt der Krankenstand deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 5,3 Prozent. In Pflegeheimen liegt diese Quote beispielsweise bei 7,4 Prozent. Pflegekräfte sind besonderen Belastungen ausgesetzt und müssen enorme Anforderungen erfüllen, was zu erheblichen Gesundheitsrisiken führt. Arbeitgeber*innen in diesem Segment sind besonders gefragt, die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter*innen zu stärken. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wie das konkret aussehen kann, wird im folgenden Artikel näher beleuchtet. 

Die Anforderungen an das BGM in der Pflege

Betriebliches Gesundheitsmanagement erfordert eine zielgerichtete Umgestaltung und damit verbunden weitreichende Maßnahmen. Diese müssen individuell geplant und umgesetzt werden, wobei die Anforderungen an das BGM recht hoch sind. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist nicht in kurzer Zeit erledigt, sondern sollte langfristig und nachhaltig in die Unternehmensstrategie eingebunden werden. 

Das ist gerade in komplexen Einrichtungen aus dem Bereich Gesundheit und Pflege oftmals gar nicht so einfach. Das Arbeitspensum ist enorm hoch und es bedarf einer gut durchdachten Planung, um sowohl passende Gesundheitsmaßnahmen zu finden und durchzuführen, als auch den alltäglichen Betrieb nicht einzuschränken. Zudem haben sich durch die veränderten Belastungen während der Corona-Krise weitere Anforderungen ergeben, denen ein BGM in der Pflege heute Rechnung tragen muss. 

Die Mitarbeiter*innen sind durch die körperlich und mental anspruchsvolle Arbeit, besonderen Anforderungen ausgesetzt. Auch das Schichtsystem und Arbeiten am Wochenende erschweren geregelte Abläufe, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und das Abschalten vom Klinikalltag. Die ständige Konfrontation mit dem Tod und tragischer Einzelschicksale stellt zudem eine besondere psychische Belastung dar. Organisationale Schwierigkeiten durch häufig unvorhergesehene Abläufe und Notfälle erschweren die Situation zusätzlich. Aufgrund dieser Tatsachen ist auch die Umsetzung eines BGM mit besonderen Herausforderungen verbunden, weil beispielsweise nie alle Mitarbeiter*innen zu festen Zeiten erreicht werden können. 

Die Vorteile von BGM in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern

bgm-pflege_01Von dem BGM Maßnahmen profitieren sowohl Arbeitnehmer*innen als auch Arbeitgeber*innen. / Rido

 

Die oben aufgeführten branchenspezifischen Besonderheiten untermauern, welch besonderen Belastungen Pflegekräfte ausgesetzt sind und warum es Arbeitgeber*innen in der Pflege ein besonderes Anliegen sollte, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter*innen zu investieren, um das Personal länger gesund und leistungsfähig halten zu können. Dabei profitieren alle involvierten Parteien von zahlreichen Vorteilen: 

  • die Gesundheit der Mitarbeiter*innen wird gefördert und Fehlzeiten reduzieren sich
  • der Arbeitsalltag der Beschäftigten bessert sich zusehends
  • Unternehmen senken ihre Kosten durch weniger Krankentage der Mitarbeiter*innen
  • Steigerung der Arbeitsqualität
  • Verbesserung des Arbeitsumfeldes und des Betriebsklimas
  • Steigerung der Arbeitgeberattraktivität und Positionierung als Arbeitgeber*in mit Herz im stark umkämpften Markt der Pflegekräfte

BGM wirkt sich positiv auf alle Betroffenen aus. Die Einrichtung profitiert von motivierten sowie gesünderen Mitarbeiter*innen, welche im Idealfall seltener krank sind. Gerade in Zeiten des Pflegenotstandes ist dies von besonders hohem Wert. Eine solche Verbesserung macht sich zudem bei den Patient*innen und pflegebedürftigen Personen bemerkt, denn es kann sich intensiver um sie gekümmert werden. Nicht zuletzt wirken sich solche Maßnahmen natürlich positiv auf die Mitarbeiter*innen aus. Denn die Gesundheit der Einzelnen aber auch das gesamte Betriebsklima verbessert sich nachhaltig. 

Welche Maßnahmen und Handlungsfelder beinhaltet das BGM? 

Welche Maßnahmen das BGM genau beinhaltet, sollte jedes Krankenhaus beziehungsweise jede Pflegeeinrichtung, je nach Bedarf, für sich individuell entscheiden. Zur Bedarfsermittlung eignet sich zu Beginn eine Ist-Analyse, bei der aktuelle Probleme und Schwachstellen aufgedeckt werden. 

Auf organisationaler Ebene bieten sich Anpassungen des Arbeitsortes und des Dienstplanes an. Hier sollten vor Ort Rückzugsmöglichkeiten und entsprechende Pause eingeplant werden. Informationsmaterial oder Kurse zu aktiven Pausen können den Erholungswert der freien Zeit dabei noch einmal maximieren. Auch das Kantinenangebot liefert Anknüpfungspunkte für Optimierungen, um die Mitarbeiter*innen während der Arbeitszeit bei einer gesunden Ernährung zu unterstützen. 

Da insbesondere das Muskel-Skelett bei Pflegekräften häufig betroffen ist, sollten Angebote zur Stärkung eben dieses fokussiert werden. Dazu zählen beispielsweise eigens angebotene Sportkurse oder die Finanzierung von Fitnessstudio-Mitgliedschaften. 

Den Bereich der mentalen Gesundheit sollten Arbeitgeber*innen ebenfalls nicht vernachlässigen und Angebote zur Stärkung der psychischen Gesundheit und der eigenen Resilienz anbieten. Eng damit verknüpft sind auch die Aspekte eines erholsamen Schlafes, der ebenfalls im Rahmen des BGM besonders gefördert werden sollte. 

Auch Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zählen zum attraktiven Betrieblichen Gesundheitsmanagement. 

Gerade weil der Arbeitsalltag bei Klinik- und Pflegepersonal so individuell unterschiedlich ausfällt, tun sich Arbeitgeber*innen schwer damit, alle Mitarbeiter*innen zu festen Zeiten mit Präsenzveranstaltungen zu erreichen. Daher eignen sich in dieser Branche digitale Angebote ganz besonders, die personalisiert in den eigenen Alltag integriert werden können. So können Sportkurse oder Meditationsübungen beispielsweise bequem über mobile Endgeräte und auf Abruf wahrgenommen werden. Personalisierte Inhalte können passgenau an verschiedene Nutzergruppen, beispielsweise Stationen, ausgespielt werden. 

Verantwortlich für das BGM in Krankenhäusern ist in der Regel die Klinikleitung. Sie ernennt innerbetriebliche Gesundheitsmanager*innen, die für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich sind. Immer häufiger gibt es auch spezielle BGM-Abteilungen, die sich um die Planung und Umsetzung solcher Maßnahmen kümmern. Weiterhin am BGM sind in einem Krankenhaus oder einer Klinik beteiligt: Die Personalabteilung, der Betriebsrat, die Fachkraft für Arbeitssicherheit sowie der Betriebsarzt beziehungsweise die Betriebsärztin. 

bgm_pflege_03Gesundes Essen ist eine beliebte BGM Maßnahme. / wavebreakmedia

Der BGM-Prozess in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

Viele Kliniken entscheiden sich dazu, externe Berater*innen hinzuzuziehen. Diese werten unter anderem Daten über die Mitarbeiterbelastung im Krankenhaus aus. Dazu nutzen sie beispielsweise die Gefährdungsbeurteilung, Fehlzeiten-Analysen oder Daten der gesetzlichen Krankenkassen. So kann genau eingeschätzt werden, wie das BGM aufgebaut sein sollte, um tatsächlich einen nachhaltigen Nutzen zu schaffen.

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen beinhaltet verschiedene Aufgabenbereiche und baut, wie auch in anderen Branchen, auf folgenden drei Säulen auf:

Welche Rolle spielt die Krankenkasse?

Zufriedene und vor allem gesunde Mitarbeiter sind für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens unerlässlich. Das BGM sorgt dafür, dass Mitarbeiter gesund bleiben. Die meisten Krankenkassen bieten daher interessierten Betrieben eine Unterstützung bei der Durchführung des BGM an. Krankenkassen unterstützen Krankenhäuser, Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowohl bei der Analyse der im Unternehmen vorherrschenden Bedingungen als auch beim Aufbau des Projektmanagements. Zu diesem Zweck haben Krankenkassen eigene Fachkräfte, die speziell Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen beim BGM unterstützen. Es ist aber auch möglich, bei den Krankenkassen eine finanzielle Förderung zu beantragen.

Das Ziel der Krankenkassen liegt auf der Hand: Von gesunden Mitarbeiter*innen profitieren alle; Arbeitnehmer*innen, Arbeitgeber*innen und die Krankenkasse. Die Krankenkassen sind bestrebt, die Krankentage auf ein Minimum zu reduzieren. 

Eine Initiative, ist exemplarisch genannt werden kann, ist die der BKK. Mit ihrer Initiative "WERTGESCHÄTZT", legt sie einen Schwerpunkt auf die Betriebliche Gesundheitsförderung speziell in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Gemeinsam mit 28 weiteren Betriebskrankenkassen handelt es sich um eine Initiative zur Unterstützung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Die Beratung durch diese Initiative ist für die Krankenhäuser ein wichtiger Faktor für das Gelingen der BGM. 

Nicht nur die Krankenkassen unterstützen Betriebe bei der betrieblichen Gesundheitsförderung, auch steuerlich können Vorteile geltend gemacht werden. Arbeitgeber*innen können pro Beschäftigte(n) und Jahr bis zu 600 Euro für qualitätsgesicherte Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung aufwenden, ohne dass die Mitarbeiter*innen diese Zuwendungen als geldwerten Vorteil versteuern müssen.

bgm_pflege_02Die Krankenkassen haben besondere Förderungen für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. / George Rudy

Fazit

Das betriebliche Gesundheitsmanagement hat als langfristiges Ziel, sowohl die psychische als auch die physische Gesundheit der Mitarbeiter*innen zu erhalten. Sowohl die Produktivität als auch die Leistungsfähigkeit kann damit nachweislich gesteigert werden. Somit ist das BGM eine Maßnahme, über welches alle Firmen nachdenken sollten. Besonders Sinn macht das Gesundheitsmanagement aber in Pflegeheimen und Krankenhäusern, denn der Krankenstand der Mitarbeiter*innen ist hier vergleichsweise hoch.

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