Die Rolle der Führungskraft im BGM

Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Welchen Einfluss sie haben und welche Maßnahmen sie ergreifen können, wird im Folgenden erläutert.

Welche Rolle spielen Führungskräfte im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements? Haben Sie sich diese Frage schon einmal gestellt? Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit. Denn häufig sind es die Führungskräfte in einem Unternehmen, die über Erfolg oder Scheitern von Maßnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement entscheiden. 

Der Einfluss von Führungskräften auf die Gesundheit der Mitarbeiter

Schon oft wurde in Studien belegt, dass Führungskräfte einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter haben. Doch häufig wird unterschätzt, wie gravierend dieser Einfluss tatsächlich ist. Ein vielfach zitierter Satz in diesem Zusammenhang stammt von dem Hamburger Personalprofessor Peter Nieder, der bereits 2002 in einer Studie mit dem VW Konzern schrieb: „Eine Führungskraft nimmt ihren Krankenstand mit, wenn sie versetzt oder befördert wird!" Zu diesem Ergebnis kam der Professor, da die Krankenstände in Abteilungen, die einen neuen Manager bekamen, oft schnell auf den Krankenstand der Abteilung anstieg, die zuvor von diesem Manager betreut wurden. 

Vergleichbare Studienergebnisse liefert auch die Zukunftsstudie „#whatsnext - Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt” des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), der Techniker Krankenkasse (TK) und der Haufe Gruppe. Dabei gaben 9 von 10 Studienteilnehmern an, Führungskräfte seien der wichtigste Faktor für die Verbesserung der Gesundheit von Beschäftigten.

Gesundes Führen

Glücklicher GeschäftsmannGesundes Führen kann bereits sehr viel bewirken.                                     Shutterstock.com / Dima Sidelnikov

In diesem Zusammenhang taucht deshalb immer wieder der Begriff „Gesundes Führen” auf. Gesundes Führen ist zwar kein Führungsstil nach Max Weber oder Kurt Lewin, doch funktioniert ähnlich. Gesunde Führung erfordert Führungsleitbilder, -standards und -instrumente, die es den Führungskräften ermöglicht, Mitarbeiter gesund zu führen. Die Verantwortung liegt hier also nicht alleine bei den Führungskräften, sondern auch bei den Unternehmen und denjenigen, die eben diese Führungsleitbilder definieren.

Doch nur weil Leitbilder die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, führen längst nicht alle Führungskräfte wirklich gesund. Denn Gesundes Führen erfordert vor allem bei älteren Führungskräften oft einen Paradigmenwechsel:

In Mitarbeitergesprächen darf die Gesundheit der Mitarbeiter beispielsweise nicht erst zum Thema werden, wenn der Mitarbeiter bereits erkrankt ist. Vielmehr sollten Führungskräfte ihren Einfluss nutzen und Mitarbeitern zu einem gesunden Arbeitsplatz verhelfen. Denn ein gesundes Arbeitsumfeld ist gleichzeitig wichtig, um die Produktivität und Motivation der Mitarbeiter zu steigern. Führungskräfte, die also nicht gesund führen, kosten Unternehmen gleich doppelt. Zum einen durch eine erhöhte Anzahl an Krankheitstagen, sowie sinkende Produktivität.

Gleichzeitig sollten Führungskräfte die Eigenverantwortung der Mitarbeiter in Bezug auf ihre eigene Gesundheit stärken. Denn nach dem SGB V sind die Versicherten für ihre eigene Gesundheit mitverantwortlich. Durch einen gesunden Lebensstil und geeignete Präventionsmaßnahmen, sollen sie selbst dazu beitragen, Krankheiten und langfristige Behinderungen zu vermeiden. 

Beispielhafte Maßnahmen im Bereich „Gesund Führen”

Stress und Arbeitsbelastung reduzieren

Führungskräfte tragen dafür Sorge, dass Mitarbeiter eine richtige und bewältigbare Arbeitsbelastung haben. Dazu zählen auch regelmäßige Pausen, die auch die Führungskräfte wahrnehmen sollten. 

Zudem gilt es, Stress für die Arbeitnehmer möglichst zu reduzieren. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Schaffung und Erhaltung eines gesunden Arbeitsplatzes. Unrealistische Erwartungen an überladene Mitarbeiter aufrechtzuerhalten, mit denen diese nicht fertig werden können, wird die Produktivität nicht erhöhen; vielmehr wird es Ressentiments und Frustration fördern, die zu Krankheit führen.

Auch moderne Methoden, wie flexible Arbeitszeiten, Home-Office, Kinderbetreuung vor Ort, kostenloses, gesundes Mittagessen usw. können dafür sorgen, dass Mitarbeiter weniger Stress haben, indem sie Beruf- und Privatleben besser vereinen können. Darüber hinaus müssen natürlich auch körperliche Beeinträchtigungen des Mitarbeiters vermieden werden. Im Krankheitsfall sollte gegen Präsentismus angekämpft und ein Arbeitsumfeld geschaffen werden, indem sich jeder ‘traut’, zuhause zu bleiben und dem Körper die notwendigen Ruhephasen zum Auskurieren zu geben. 

Offene Kommunikation

Gesunde Führung bedeutet beispielsweise auch, dass Mitarbeiter Fehler machen dürfen. Führungskräfte sollten Mitarbeitern dabei helfen, aus deren Fehlern zu lernen statt sie dafür zu bestrafen. Anstelle von Schuldzuweisungen, sollten Führungskräfte den Mitarbeitern dabei helfen, herauszufinden, was falsch gelaufen ist und wie das Problem am besten behoben werden kann. 

Dies fördert ein Umfeld der Kooperation und Zusammenarbeit; Mitarbeiter fühlen sich freier, neue Ideen vorzuschlagen, wenn Fehler nicht als furchtbar schlimm angesehen werden.

Handlungsspielräume schaffen

Für selbstbewusste, kreative Mitarbeiter müssen Führungskräfte einen Arbeitsplatz schaffen, der es diesen erlaubt, neue Ideen frei zu äußern. Der Handlungsspielraum der Mitarbeiter darf nicht zu sehr eingeschränkt sein. 

Es ist wichtig, offen dafür zu sein, was die Ziele des Unternehmens (oder der Abteilung) angeht, welche Schritte zum Erreichen dieser Ziele erforderlich sind und wie die Mitarbeiter selbst dabei helfen können. Das Vorenthalten von Informationen ist der schnellste Weg, um Gerüchte und Misstrauen zu erzeugen. Indem man sie in seine Pläne einbezieht, gibt man den Mitarbeitern ein Gefühl der Eigenverantwortung und der Wichtigkeit ihrer Rolle.

Führungskräfte sollten Mitarbeitern beispielsweise die Möglichkeit lassen, darüber zu diskutieren, wie eine Aufgabe, ein Plan oder eine Aktivität verbessert werden kann. Natürlich ist es dabei trotzdem wichtig, hohe und vernünftige Standards setzen, doch das Vertrauen darauf, dass Mitarbeiter gute Leistungen erbringen, schafft Wohlwollen und wird die Mitarbeiter wahrscheinlich dazu anspornen, die gesetzten Erwartungen zu erfüllen.

Führungskräfte als Multiplikatoren

Glückliche FührungskraftFührungskräfte leisten den entscheidenden Beitrag für die Mitarbeitergesundheit im Unternehmen. Shutterstock.com / El Nariz

Neben dem direkten Einfluss der Führungskräfte auf die Gesundheit der Mitarbeiter, sind Führungskräfte ein ganz entscheidender Faktor, wenn es um die Akzeptanz und Durchführung von BGM-Maßnahmen im Unternehmen geht. Als Schnittstelle zwischen Betrieblichem Gesundheitsmanagement und den Mitarbeitern, haben sie eine tragende Rolle, hinsichtlich Kommunikation und Motivation in Bezug auf die Maßnahmen. 

Meist liegt es an den Führungskräften, den Mitarbeitern die Teilnahme an BGM-Maßnahmen überhaupt zu ermöglichen. Doch Führungskräfte können noch viel mehr tun, als die reine Teilnahme zu ermöglichen. Mitarbeiter sollten von Führungskräften zur Teilnahme motiviert werden und bei der Teilnahme aktiv unterstützt werden. Dies kann beispielsweise auch durch das Bereitstellen von entsprechender Zeit im Arbeitsalltag unterstützt werden. 

Trotz all der genannten Punkte, wird die Rolle der Führungskraft auf die Gesundheit der Mitarbeiter oft von Führungskräften selbst belächelt. Die Gesundheitsförderung wird oft als lästige Zusatzaufgabe empfunden. Hier ist es elementar, beim Aufsetzen eines strategischen BGMs im Unternehmen auch die Führungskräfte entsprechend ins Boot zu holen und sie als Multiplikatoren zu gewissen. Dazu hilft es, die Bedeutung von BGM für das Unternehmen im Gesamten darzustellen. Dabei können beispielsweise auch Kosten-Nutzen-Rechnungen aufgezeigt werden und dass sich BGM rechnet. Ist ein Mitarbeiter beispielsweise für einen Tag arbeitsunfähig, verursacht das dem Unternehmen durchschnittliche Kosten von - je nach Unternehmen und Position - 200 bis 400 EUR

Fehlt ein Mitarbeiter dauerhaft, kommen dazu Kosten für das Finden und Anlernen eines neuen Mitarbeiters. Hinzu kommen die bereits oben angesprochenen Kosten, die beispielsweise durch die Dauerhafte Senkung der Produktivität des Mitarbeiters entstehen. Es ist also wichtig, die Führungskräfte als besondere Zielgruppe des internen BGM-Marketings zu behandeln und diese mit den richtigen Argumenten für die Sache zu gewinnen. 

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