Corona-Impfung: Was Du jetzt zur wissen musst

Das große Warten hat ein Ende: Die lang ersehnte Impfung gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 ist oder umgangsprachlich die Corona-Impfung ist zugelassen und verfügbar.  Wir erklären im Artikel, wie der Corona-Impfstoff wirkt und wer sich nach aktuellem Stand wann impfen lassen kann.

Die größte Impfkampagne in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland begann Ende letzten Jahres in einer Pflegeeinrichtung in Sachsen-Anhalt, wo eine bereits 101-jährige Bewohnerin die erste Dosis der Corona-Impfung in Deutschland erhielt. Im Kampf gegen Covid19 ist damit ein wichtiger Schritt gemacht. Wir erklären, was wir aktuell zum Impfstoff wissen. 

Wo wird der Impfstoff verabreicht?

Der Impfstoff von BIONTECH/Pfizer wird als erster zugelassener Impfstoff an die gut 400 Impfzentrum des Landes verteilt. Dabei erhielt dieser Impfstoff hierzulande im Gegensatz zu den USA und dem Vereinigten Königreich keine Not-, sondern eine Standardzulassung.

Von Zentrallagern erfolgt eine tägliche Lieferung zu den Impfzentren ohne dortige Lagerung, wobei eine extreme Kühlung bei -70°C stets eingehalten werden muss. Aus diesem Grund ist eine Ausgabe des Impfstoffs von BIONTECH/Pfizer beispielsweise an Hausärzte aktuell nicht möglich. Ein solches Impfzentrum befindet sich beispielsweise häufig in leerstehenden Messehallen und verfügt ähnlich wie eine Arztpraxis über Anmeldung, Wartezimmer, Impfräume und Bereiche zur anschließenden Beobachtung. Darüber hinaus werden zahlreiche mobile Impfteams eingesetzt, die die Impfungen zu denjenigen bringen, die sich nicht selbst in ein Zentrum begeben können - so beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen. 

Impfzentren für die Corona-Impfung gibt es überall in DeutschlandGegen Corona geimpft wird in extra für diesen Zweck eingerichteten Impfzentren / halfpoint

Wer wird geimpft?

Pro Fläschchen Impfstoff werden fünf Dosen vor Ort angemischt und baldmöglichst geimpft. Aktuell verfügt Deutschland insgesamt jedoch über nur etwa 1,3 Millionen Impfdosen. Nach langen Debatten hat die Bundesregierung eine Reihenfolge der Empfänger für die aktuell sehr begrenzte Menge des Impfstoffs von BIONTECH/Pfizer festgelegt. Zu Beginn sollen alle über 80 jährigen, also die Hauptrisikogruppe für einen schweren Covid-19-Verlauf, sowie Pflegepersonal und besonders gefährdetes medizinisches Klinikpersonal die Corona-Impfung erhalten. Bis Ende März werden insgesamt etwa 12 Millionen Dosen bereitgestellt. Bundesminister Spahn kündigte außerdem an, bereits im zweiten Quartal diesen Jahres, also ab April 2021, ein Impfangebot für alle weiteren Impf-Interessenten zu schaffen. Wie die zukünftige Organisation und Vergabe aussehen wird, bleibt abzuwarten.

 

Wie wirkt die Corona-Impfung?

Das Impfschema sieht dabei zwei Anwendungen im Abstand von 21 Tagen vor, wobei der wissenschaftlich geprüfte Spielraum zwischen 19 und 42 Tagen liegt. Die Teilimmunität der ersten Anwendung setzt schon nach etwa zwei bis drei Wochen ein und kann bereits schlimme Folgen einer Covid-19-Erkrankung verhindern. Nach der zweiten Impfung liegt laut Studienlage der Schutz vor Erkrankung an Covid-19 bei etwa 90-95 %. In diesem Zusammenhang muss jedoch beachtet werden, dass die Impfung zwar vor Ausbruch der Erkrankung, jedoch vermutlich nicht vor Infektion mit dem Erreger SARS-CoV-2 zu schützen scheint, sodass ein Immunisierter zwar selbst keine Krankheit entwickeln, jedoch möglicherweise seine Mitmenschen weiterhin anstecken kann. Aufgrund dessen bleibt trotz Impfungen die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln und das Tragen von Masken unerlässlich.

Risikogruppen haben Vorrang bei der Corona-Impfung Zuerst geimpft werden Personen über 80 Jahren sowie medizinisches Personal / Rido81

Das Präparat von BIONTECH/Pfizer scheint insgesamt weltweit extrem gut verträglich zu sein. Die erfassten Nebenwirkungen fallen dabei sehr gering aus, auch in den USA, wo der Impfstoff bereits etwas länger zum Einsatz kommt als in Europa. Grundsätzlich kann eine allergische Reaktion auch gegen diesen Impfstoff auftreten - wie gegen anderen Impfungen auch. Insgesamt scheinen jüngere Menschen aufgrund ihres aktiveren, kompetenteren Immunsystems im Vergleich zu älteren Geimpften etwas öfter mit milden Symptomen wie Rötung, Schwellung oder Allgemeinsymptomen zu reagieren. Die Befürchtung, dass sich Erbmaterial des mRNA-Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 in das menschliche Genom einbauen könnte, konnte jedoch entkräftet werden. Bei Entwicklung und Zulassung dieses Impfstoffs wurden keine sicherheitsrelevanten Schritte abgekürzt oder übersprungen, sondern insbesondere bürokratische Hürden beschleunigt und parallel bearbeitet. Studien zu Langzeitfolgen sind ebenfalls bereits im Gange und werden in der Zukunft weitere Ergebnisse liefern. 

 

Wie kann der Impfstoffmangel behoben werden?

Der momentan herrschende Engpass an Impfdosen verhindert eine flächendeckende Impfung noch maßgeblich. Aus diesem Grund kam beispielsweise die Debatte auf, aus einem Fläschchen Impfstoff sechs, statt nur fünf, Dosen herzustellen, was laut aktueller wissenschaftlicher Lage bedenkenlos möglich wäre. Dadurch könnte die Menge von 1,3 auf etwa 1,6 Millionen Dosen erhöht und somit etwa 20 % mehr Impfdosen zur Verfügung gestellt werden. Das Paul-Ehrlich-Institut prüft deshalb gerade die Rahmenbedingungen der Zulassung für BIONTECH/Pfizer.

Ein weiterer Ansatz zur Behebung des Impfstoffmangels wäre die Verzögerung der zweiten Impfung von aktuell drei auf bis zu zwölf Wochen nach der ersten Dosis. Bereits nach einer von beiden notwendigen Anwendung besteht laut Studienergebnissen eine Teilimmunität gegen Covid-19. Darauf fundiert die Überlegung, während der enormen Knappheit zum Impfstart einer breiteren Masse die erste Impfung - und den damit verbundenen anteiligen Schutz - zu ermöglichen, anstatt weniger Menschen mit beiden notwendigen Dosen die fast volle Immunität zu geben. Die Ständige Impfkommission STIKO des RKI überprüft diesen Vorschlag nun.

Impfstoff ist MangelwareVerschiede Ansätze werden geprüft, um möglichst schnell möglichst viele Menschen gegen das Coronavirus impfen zu können / photocreo

Durch Errichtung neuer Produktionsstandorte in Deutschland für den Impfstoff von BIONTECH/Pfizer könnte die Herstellung zusätzlich angekurbelt und damit die Knappheit verringert werden. Obwohl der Impfstoffmangel vermutlich nicht über Nacht entschärft wird, können dennoch vor allem durch Immunisierung der Risikogruppen und besonders Exponierten wohl viele schwere Covid-19-Verläufe verhindert, unsere Kliniken, Intensivstationen und medizinisches Personal entlastet, sowie der gefürchtete Kollaps unseres Gesundheitssystems hoffentlich vermieden werden.

 

Wann ist die Herdenimmunität erreicht?

Die Bundesregierung versicherte wiederholt, dass die Corona-Impfung freiwillig und kostenlos ist und bleiben wird. Laut Umfragen möchten aktuell etwa 32 % der Bevölkerung die Impfung erhalten. Circa genauso viele Menschen bevorzugen es damit noch abzuwarten, meist aufgrund fehlender Ergebnisse von Langzeitstudien, sind jedoch daran interessiert sich zu einem späteren Zeitpunkt impfen zu lassen. Etwa 19 % der Deutschen lehnen die Impfung zum jetzigen Zeitpunkt gänzlich ab. 

Um die gewünschte Herdenimmunität zu erreichen, müssen insgesamt 60-70 % aller Deutschen geimpft werden. Aufgrund der Knappheit an Impfdosen und der erschwerten Organisation, wie beispielsweise die Terminvergabe in den Impfzentren, kann dieser Zustand noch nicht allzu schnell erreicht werden. Experten befürchten, dass es Monate oder gar Jahre dauern könnte, bis signifikante Effekte bei der Herdenimmunität zu Trage kommen. Spahn versuche bis Mitte 2021 bereits etwa 60 Millionen Deutschen, sofern gewünscht, den Zugang zu einer Immunisierung zu ermöglichen. Es sei angemerkt, dass jeder einzelne, der sich bei gebotener Gelegenheit für die Impfung entscheidet, seinen Beitrag zur Herdenimmunität und zum Kampf gegen die Pandemie leistet. 

Die Reaktionen auf die Corona-Impfung sind unterschiedlichDer Effekt der Herdenimmunität tritt nur dann ein, wenn sich genügend Menschen impfen lassen / halfpoint

Gibt es neben BIONTECH/Pfizer noch weitere Impfstoff-Hersteller?

Erst vor wenigen Tagen, am 4. Januar 2021, erteilte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA einem zweiten Impfstoff gegen SARS-CoV-2 die Zulassung: Nun darf auch das Präparat von Moderna zur Immunisierung verwendet werden und gibt neue Hoffnung, die Impfstoffknappheit weiter einzugrenzen. In Deutschland prüft anschließend das zuständige Paul-Ehrlich-Institut den Impfstoff, um dann die Chargen-Freigabe zu erteilen.

Der aus den USA stammende Impfstoff konnte in Studien mit 94 % eine annähernd identische Wirksamkeit zum BIONTECH/Pfizer-Präparat zeigen. Auch beim Moderna-Impfstoff müssen zwei Anwendungen erfolgen, wobei ein Abstand von 28 Tagen vorgesehen ist. Die Lagerung bei nur -20°C kann auf eine gewisse Erleichterung bei Organisation und Verteilung hoffen lassen.

Darüber hinaus bestätigte der Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts, dass die Hersteller zweier weitere Impfstoffpräparate alle nötigen Unterlagen eingereicht hätten und nun geprüft werden können. Im Laufe des Jahres könnten wohl vier weitere, darunter auch Curevac, erwartet werden. Je mehr Hersteller ihre Impfstoffe erfolgreich durch alle nötigen Prüfungen und zur Zulassung bringen können, desto schneller kann die erhoffte Immunität auch weltweit vorangetrieben werden. Beim noch auf Zulassung wartenden Impfstoff von Johnson&Johnson wäre außerdem nur noch eine Dosis zur Immunität nötig. Insbesondere günstigere Präparate, die nur gekühlt werden müssen, wie der Kandidat der Universität Oxford und AstraZeneca, seien für die Verteilung in ärmeren Ländern bedeutend. Der BIONTECH/Pfizer-Impfstoff erhielt nun außerdem die Notfallzulassung der Weltgesundheitsorganisation WHO, sodass nun auch UN-Organisationen bei ihren Einsätzen auf das Präparat zurückgreifen und ärmere Länder diesen Impfstoff ohne eigene Prüfung zulassen dürfen.

Die Entwicklung neuer Impfstoffe schreitet voranImmer mehr Impfstoffe verschiedener Unternehmen werden zugelassen / Pressmaster

Gibt es Sonderrechte für Geimpfte?

Mit zunehmender Impfdeckung werden Befürchtungen der Ungleichbehandlung von Geimpften und Nicht-Geimpften immer lauter. Dabei betonen Verfassungsrechtler, dass es hierbei nicht um Sonderrechte, sondern vielmehr um die Aufhebung der aktuell bestehenden Beschränkung der Grundrechte gehe. Beschränkte Grundrechte seien eben nicht mehr vertretbar, wenn diejenigen sicher keinen Beitrag mehr zur Pandemie leisten. Auch das Bundesgesundheitsministerium betonte wiederholt, dass keinerlei Ungleichbehandlung durch den Staat auftreten werde. Weder zusätzliche Rechte, noch Pflichten seien mit beziehungsweise ohne Impfung verantwortbar.

Andere rechtliche Bedingungen gelten jedoch für private Einrichtungen wie Restaurants, Kulturveranstaltungen, Kinos oder Theater, Stadien oder Sportstätten, die beispielsweise im Rahmen von “Hausregeln”, basierend auf dem Immunitätsstatus, durchaus Unterschiede festlegen oder gewisse Grenzen ziehen dürfen.

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